20 Jahre Medienwissenschaft

Von Internet-Verbindungen, die das Festnetz im Haus blockieren, und „MMMbop“ von Hanson auf Platz 1 der Charts bis hin zu Virtual Reality und Smartphones mit Gesichtserkennung: Die Welt hat sich in den 20 Jahren, in denen die Medienwissenschaft in Trier besteht, unaufhaltsam gewandelt. Dabei haben Änderungen auf weltpolitischer Ebene die Menschen zum Teil genauso bewegt wie Neuerungen in Trier oder in der Medienwissenschaft.

 

 

 

1997

2007

2006

2005

2004

2002

2001

2000

1999

1998

2012

2011

2010

2009

2008

2016

2015

2014

2013

2017

2003

 

 

 

1997

Die Eintracht ist besser als der amtierende Champions-League-Sieger! Das galt zumindest am 28.10.1997, als die Schwarz-Blauen Borussia Dortmund im Achtelfinale des DFB-Pokals mit 2:1 besiegen. Der Kicker ätzt danach gegen die Dortmunder: „Dortmund ohne Sammer, Ricken, Feiersinger, Reuter, Tanko, Chapuisat, Cesar und Kree - und wie von allen guten Geistern verlassen. Erschreckend die Schwächen in der Defensive (Schneider, Sauerland), erbärmlich die Passivität im Aufbau, ernüchternd die technischen Schwächen im Sturm (Herrlich). Hilflos stolperte der hohe Favorit herum. Trier dagegen wie berauscht. Respektlos und robust.“ Das Viertelfinale gegen Waldhof Mannheim gewinnt die Eintracht ebenfalls, erst im Halbfinale ist gegen den MSV Duisburg nach einem dramatischen 9:10 im Elfmeterschießen Schluss.

Im Wettbewerb um den DFB-Pokal gelang Eintracht Trier mit einem Sieg über Borussia Dortmund eine Sensation.

Quelle: AJJ74; Pixabay.com

Trier

Als der Wagen von Lady Diana, der ehemaligen Prinzessin von Wales, am 31. August 1997 gegen einen Betonpfeiler in einem Pariser Tunnel prallt, werden sie und ihr  Lebensgefährte Dodi Al-Fayed einmal mehr von Paparazzi verfolgt. Den Großteil ihres Lebens hatte Diana im Scheinwerferlicht verbracht, mal freiwillig, mal unfreiwillig. Die Fotografen treffen zwar erst nach dem Crash am Ort des Geschehens ein, schießen jedoch unzählige Fotos von der Szenerie und sogar der sterbenden Prinzessin. Letztere Aufnahmen werden zwar nie veröffentlicht, dennoch wird der Tod Dianas für immer mit der Frage verbunden sein, wie weit das vollständige Leben einer Person eine Angelegenheit des öffentlichen Interesses ist.

 

Eine andere Britin ist 1997 ebenfalls in aller Munde, jedoch aus einem weitaus erfreulicheren Grund: Mit „Harry Potter und der Stein der Weisen“ bringt die Lehrerin Joanne K. Rowling Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene zum Lesen. Der "Stein der Weisen" ist der erste Band der erfolgreichen Buchreihe aller Zeiten.

Im Wintersemester 1997/1998 fällt in Trier fällt der Startschuss für die Medienwissenschaft. Das neue Fach beerbt das Zertifikat „Medienkommunikation“ und trifft den Nerv der Zeit. Denn Ende der 1990er erkennen auch Nicht-Freaks, dass ein gekonnter Umgang mit den Medien und vor allem dem aufkeimenden Internet bald unerlässlich werden wird.

 

Unerlässlich für den Start der Medienwissenschaft ist die Nikolaus-Koch-Stiftung: Sie finanziert eine Professur des Magister-Studiengangs. Im ersten Semester des Fachs sind rund 40 Studierende für die Medienwissenschaft eingeschrieben, über die Jahre wird die Zahl derer, die irgendwas mit Medien studieren wollen konstant steigen. Fast von Anfang an mit dabei: Professor Dr. Hans-Jürgen Bucher, der Jahre später sagen wird: "Trier hat sicher nicht die Vorteile der Standorte Mainz, München, Frankfurt oder Berlin. Das Angebot war aber immer vergleichbar mit anderen Medienstandorten und im Vergleich zu Massenuniversitäten sogar besser.

Die Beerdigung von Prinzessin Diana wurde zum weltweiten Medienereignis.

Welt

Medienwissenschaft

Quelle: Screenshot Archive.org Wayback Machine www.uni-trier.de

Ganz schön schick: Als die Medienwissenschaft in Trier eingeführt wurde, sah die Website der Universität so aus.

 

1998

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck enthüllt in Trier eine Gedenktafel für Willy Brandt. Sie ist ein Geschenk der städtischen SPD zum 70. Geburtstag des ehemaligen Staatssekretärs Karl Haesher und zeigt die Gesichtszüge Brandts auf einer Bronzeplatte.

 

Gold statt Bronze sichern sich 1998 die Basketballer von der TVG Trier. Nach zwei Siegen in der Verlängerung gewinnen sie den Deutschen Pokal und feiern ihren ersten Titel überhaupt. Der Volksfreund schreibt beinahe poetisch: "Charly (Carl Brown) tanzt. Er zieht die Schultern nach oben, schüttelt wild die Arme. Nickt mit dem Kopf wie ein Pony im Galopp. Reißt die Knie hoch bis zur Brust. Die Zunge hängt heraus, das Weiße in den Augen leuchtet. Er strahlt, er lacht. Klatscht die Hände, schlägt sie vor die Stirn. So bewegen sich Derwische im Augenblick höchster religiöser Verzückung. Charlys Shuffle - der Tanz eines Zauberers. Einmalig im deutschen Basketball."

Der Pokalsieg der TVG Trier begeisterte die Fans und motivierte Reporter zu schreiberischen Höchstleistungen.

Quelle: Screenshot Uni Trier: "125 Jahre Trierischer Volksfreund": http://125jahretv.uni-trier.de/zeitung/04/p4_2.htm

Trier

Schluss für den ewigen Kanzler: Helmut Kohl und seine CDU verlieren nach 16 Jahren an der Macht die Bundestagswahl 1998, erstmals zieht eine rot-grüne Koalition ins Parlament ein. An deren Spitze steht Gerhard Schröder, der verkündet, zum Regieren brauche er nur "BILD, BamS und die Glotze". Kohl hingegen war immer für sein schwieriges Verhältnis zu Journalisten bekannt gewesen.

 

"I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky." Dies teilt US-Präsident Bill Clinton seiner Nation im Januar 1998 mit. Zuvor hatte die Washington Post berichtet, der Präsident unterhalte eine  Beziehung zu der 24-jährigen Monica Lewinsky, einer Praktikantin im Weißen Haus. Ein unvorstellbarer Skandal, der die USA in ihren Grundfesten erschüttert! Als ein DNA-Test Clinton als Lügner entlarvt, sieht dieser sich mit einer möglichen Anklage wegen Meineids und einem drohenden Amtsenthebungsverfahren konfrontiert. Letztendlich kann er beidem entgehen, mit Witzen über das "Oral Office" muss er dennoch leben.

Das Studio der UVA ist Austragungsort für einen Workshop, der unter anderem eine Live-Schaltung zur EU-Komission in Brüssel beinhaltet. Als Gastgeber fungiert Axel Bunz, Leiter der Bonner Vertretung der Europäischen Kommission.

 

Das Zimmer im fünften Stockwerk, in dem der Workshop stattfindet, wird später zum favorisierten Seminarraum des Mannes werden, der die zweite Professur der Medienwissenschaft bekleidet: Professor Dr. Martin Loiperdinger lehrt ab dem Sommersemester 1998 in Trier.

 

Er ist nicht das einzige noch heute bekannte Gesicht, das in diesem Jahr dazustößt: Dr. Christof Barth, Experte für Hörfunk und qualitative Forschung, wird 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter in Trier.

 

Mit der Tagung "Die Zeitung im Spannungsfeld von Druck und Digitalisierung" beweist die Medienwissenschaft, dass sie bereits ein Jahr bevor Tennis- und Internet-Koryphäe Boris Becker im AOL-Spot "Bin ich schon drin?" fragt, über zukünftige Herausforderungen des Journalismus nachdenkt.

"Sie sind ein erbärmlicher Journalist." Diese und andere Nettigkeiten durften sich Reporter von Altkanzler Helmut Kohl anhören.

Er ist es wirklich: Prof. Dr. Martin Loiperdinger im Jahr 1998.

Quelle: UniJournal  2/1998

Welt

Medienwissenschaft

 

1999

Trier

1999 sagt Trier endgültig "au revoir", denn die letzten in der Stadt stationierten Streitkräfte verlassen ein Jahr vor der Jahrtausendwende endgültig ihre Quartiere. Über die Zukunft der französischen Anlagen hatte man sich offenbar nur bedingt Gedanken gemacht, denn bis heute stehen die Häuser im auch als "Franzosenviertel" bekannten Burgunderviertel an der Grenze zwischen Kürenz und Tarforst leer und verfallen.

 

Schicker sieht es da im Viertel "Neuer Petrisberg" aus, das rund fünf Jahre nach dem Abzug der Truppen zum exklusiven Wohn- und Gewerbegebiet wird.

Der "Neue Petrisberg" (oben) ist nicht nur ein exklusives Wohnviertel, sondern auch Standort für Firmen, Ärzte und Betriebe. Im Kontrast dazu steht das verwaiste und zunehmend verwahrloste Burgunderviertel (unten).

Quelle: Screenshot Trierischer Volksfreund: https://www.volksfreund.de/region/trier/das-trierer-burgunderviertel-geisterdorf-in-bester-lage_aid-5733385

Quelle: Bobinet; Wikimedia Creative Commons:  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Petrisberg_Luftbild.JPG#/media/File:Petrisberg_Luftbild.JPG

Welt

Medienwissenschaft

Vor dem 11. August 1999 kaufen Millionen Deutsche futuristisch aussehende Papp- oder Plastikbrillen um die totale Sonnenfinsternis über Mitteleuropa beobachten zu können. Zwar ist anders als in früheren Jahrhunderten klar, dass es sich hierbei nicht um ein Zeichen der Apokalypse handelt, Computer-Fans haben jedoch bereits den nächsten Auslöser des Weltuntergangs identifiziert: Der Y2K Error, bei dem Computer die Jahreszahl "00" nicht verarbeiten können würden, wird ihrer Ansicht nach für einen Zusammenbruch des Bankensystems, abstürzende Flugzeuge und Anarchie sorgen. Die tatsächlichen Folgen sind weitaus weniger dramatisch: So gibt die Website des US Naval Observatory kurzzeitig das Jahr 19100 an, eine italienische Telefongesellschaft verschickt Rechnungen für den Januar 1900.

 

In den USA ist das Jahr 1999 vor allem von einer hitzigen Diskussion über Gewalt an Schulen geprägt, nachdem die Schüler Eric Harris und Dylan Klebold am 20. April in der Columbine High School Amok laufen. Bei der schwersten Gewalttat an einer US-Highschool töten sie 13 Menschen und sich selbst, bis heute wird darüber diskutiert ob psychische Störungen, Mediengewalt oder Mobbing der Auslöser für ihre Tat waren.

Am 12. Juni 1999 kann jeder ganz NC-frei die Uni Trier besuchen: Am Tag der offenen Tür strömen 8.000 Besucherinnen und Besucher auf den Campus und lernen die verschiedenen Fachrichtungen kennen. Natürlich lässt es sich auch die Medienwissenschaft nicht nehmen, sich vorzustellen und gleichzeitig ein wenig mit ihrer Modernität anzugeben: Der damalige PC-Pool im fünften Stock wird zum Internet-Café umfunktioniert und schickt viele Triererinnen und Trierer auf ihre erste Fahrt über die "Datenautobahn".

 

Der Lehrbeauftragte Horst Keller erhält eine Auszeichnung für seine langjährige faire Berichterstattung über den Europarat. Anlass für die Ehrung ist das fünfzigjährige Bestehen ebenjener Institution.

 

Zusammen mit der TU Ilmenau geht die Medienwissenschaft der Uni Trier neue Wege und veranstaltet ein gemeinsames Online-Seminar unter der Leitung der Professoren Bucher und Löffelholz. Die technische Umsetzung gelingt und das Seminar ist ein Erfolg. Trotzdem steht am Ende das Fazit "Lieber persönlich als online".

Trotz ihres eher simplen Designs war die Sonnenfinsternis-Brille ein  Verkaufsschlager.

Hier wird kein Raketenstart, sondern ein städteübergreifendes Online-Seminar koordiniert.

Quelle: Medienwissenschaft Trier

Quelle: Gemeinfreies Bild https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/23/Eclipsbrilletje.JPG

 

2000

Trier

Die Miezen mischen mit: Die Trierer Damen-Handballmanschaft mit dem ungewöhnlichen Spitznamen steigt 2000 erstmals in die erste Handball-Bundesliga auf, dort sollte sie bis 2015 bleiben.

 

Motorsportfans aus Trier und Umgebung kommen ebenfalls auf ihre Kosten, da erstmals die Rallye Deutschland in der Römerstadt startet und endet. Zum Programm des Rennens gehören seitdem unter anderem der Show-Start vor der Porta Nigra und der Super Special Kurs durch die Altstadt.

 

Das Amtsgericht Trier erlässt im November 2000 einen Strafbefehl wegen Beihilfe zur Untreue gegen den Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Reinhard Klimmt. Klimmt, der in undurchsichtige Zahlungen an den FC Saarbrücken verwickelt gewesen war, nimmt drei Tage später seinen Hut.

Es muss nicht immer Paris-Dakar sein: Der Kurs der Rallye Deutschland führte unter anderem bereits durch die Trierer Innenstadt. Dieses Bild zeigt eine Szene aus dem Jahr 2007, die in der Nähe von Thomm aufgenommen wurde.

Quelle: CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Welt

Medienwissenschaft

Dass es 2000 einen neuen US-Präsidenten geben wird, war von vornherein klar gewesen, ob dieser jedoch George W. Bush oder Al Gore heißen würde, wird erst am 7. November entschieden. Am Ende gewinnt Bush knapp, weniger als 600 Stimmen im Bundesstaat Florida geben letztendlich den Ausschlag. Bis heute vermuten Kritiker unter anderem aufgrund der eingesetzten Wahlmaschinen und der Tatsache, dass Bushs Bruder Jeb Gouverneur von Florida ist, eine Manipulation. Übrigens: Ebenfalls zur Wahl stellt sich 2000 ein gewisser Donald Trump, sein Einstieg in die Politik wird jedoch gemeinhin als Witz abgetan.

 

Auch im Kreml sitzt 2000 ein mehr oder weniger neuer Mann: Vladimir Putin wird der zweite nachsowietische Präsident Russlands. Die Wahl scheint allerdings nur Formsache zu sein, denn bereits seit 1999 hat Putin das Amt als Ministerpräsident inne. Nach dem Rücktritt des vorherigen Präsidenten Jelzin hatte er zudem dessen Aufgaben übernommen, über mangelnde Übung kann sich Putin also nicht beklagen.

Im gerade einmal dritten Jahr ihres Bestehens ist die Medienwissenschaft bereits das Aushängeschild der Uni Trier. So sieht es zumindest der Trierische Volksfreund, der über den Bewerberboom berichtet. Rund 1.200 Bewerbungen für die 60 Plätze im Magisterstudiengang gehen ein. Gut, dass es seit diesem Jahr einen Medienexperten mehr an der Institution gibt: Annette Deeken wird dank ihrer Arbeit über Reisefilme zu Prof. Annette Deeken.

 

Nicht nur neue Studierende sind heiß auf die Medienwissenschaft, auch Profis blicken gespannt auf das Fach. Deshalb lässt sich der Bezirksverband Trier des Deutschen Journalistenverbandes von Hans-Jürgen Bucher den neuesten Stand der Forschung und aktuelle Projekte präsentieren. Eine für sie besonders spannende Aktivität: Die CD-ROM zum 125. Geburtstag des Trierischen Volksfreundes.

 

Die Medienwissenschaft arbeitet mit dem Radiosender RPR1 zusammen. Studierende berichten online über  Geschehnisse aus der Region.

Quelle: White House photo by Eric Draper

Quelle: Kremlin.ru [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0) or CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)], via Wikimedia Commons

Neue Präsidenten: George W. Bush (links) und Vladimir Putin (rechts).

Quelle: Screenshot http://125jahretv.uni-trier.de/titel/01/index3.htm

Start-Menü der CD-ROM "125 Jahre Trierischer Volksfreund".

 

2001

Trier

Die Basketballer der TVG Trier sichern sich zum zweiten Mal den Pokal, bis heute ist es der letzte Titelgewinn der inzwischen als Gladiators bekannten Mannschaft.

 

Ebenfalls gut läuft es derweil für die Herren mit der Porta auf der Brust: Eintracht Trier steht am Ende der Saison 2000/2001 auf dem zweiten Platz der damals drittklassigen Regionalliga Süd. Dieser reicht für den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

 

Vier Tage vor Heiligabend beruft Papst Johannes Paul II. Reinhard Marx als 102. Bischof von Trier. Er ist der Nachfolger von Hermann Josef Spital, der das Amt seit 1981 innegehabt hatte.

 

Mit Antenne West startet 2001 ein neuer Radiosender aus und für Trier, auf der Frequenz 88,4 spielte die Station Popmusik und Nachrichten aus der Region.

Reinhard Marx' Wappen als Bischof von Trier (oben) zeigte das Zeichen des Evangelisten Markus, dessen Name an "Marx" erinnert. Das untere Foto zeigt Marx im Jahr 2010. Inzwischen ist Marx Kardinal, sowie Erzbischof von München und Freising.

Quelle: Wolfgang Roucka (Erzbischöfliches Ordinariat München) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Quelle:Ekpah (own work of Ekpah) [Public domain], via Wikimedia Commons

Welt

Medienwissenschaft

Die Anschläge vom 11. September 2001 sind schockieren die Welt: Schlagzeilen wie "U.S. ATTACKED" (New York Times), "IT'S WAR" (Daily News), "BASTARDS" (San Francisco Examiner) und "GROßER GOTT, STEH UNS BEI!" (BILD) spiegeln Wut, Entsetzen und  Ungläubigkeit wider.

 

Präsident George W. Bush ruft seine Landsleute dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und geht als Beispiel voran: Anderthalb Monate nach 9/11 wirft er unter lauten "USA"-Rufen den zeremoniellen ersten Ball bei einem Spiel der New York Yankees und trägt dabei einen Pullover der New Yorker Feuerwehr. Überwacht wird Bushs Auftritt von als Schiedsrichtern verkleideten Agenten.

 

Neben dem Terrorismus jagt vor allem BSE den Deutschen Angst ein. Die auch als Rinderwahnsinn bezeichnete Seuche hält Viele davon ab, Rindfleisch zu konsumieren. Tatsächlich ist BSE auf den Menschen übertragbar, in Deutschland wurde allerdings bis heute kein menschliches Opfer registriert.

 

Die erste Webcam der Welt, die acht Jahre aus dem Trojan Room der University of Cambridge gesendet hatte, wird vom 2001 vom Netz genommen. Und das, obwohl ihre Aufgabe eine extrem wichtige gewesen war: Sie hatte die Kaffeemaschine der Belegschaft gefilmt, um alle Mitarbeiter über den Füllstand zu informieren. Die Kaffeemaschine wurde später an SPIEGEL Online versteigert - für 3500 Pfund.

Auf der Homepage der Medienwissenschaft erfahren Internet-User alles, was sie jemals über den Tagesablauf an der Uni Trier wissen wollten. Von einem frühstückenden Christof Barth über einen Rad fahrenden Uni-Kanzler Ignaz Bender bis hin zu ausländischen Studierenden, die auf Japanisch, Arabisch oder Thailändisch "Mir ist gerade der Bus vor der Nase weggefahren sagen", ist alles dabei.

 

Möglich gemacht wurde Umsetzung des Projekts nur durch die Schaffung des neuen Multimedia-Pools, zu dessen High-Tech-Ausstattung Digitalkameras, 3-Farbdrucker und eine eigene Audio-Schnitteinheit gehören.

 

Eine langjährige Kooperation hat 2001 ihren Anfang: Hans-Jürgen Bucher tritt seine Gastprofessur an der Hamline University in St. Paul, Minnesota an, der Beginn des "International Journalism" Austauschprogramms der beiden Universitäten. Nicht das einzige Mal, dass das Fach international Beachtung findet: Die indonesische Jakarta Post schreibt über die Regeln für eine seriöse Berichterstattung sicherzustellen. Zitierter Experte: Hans-Juergen Bucher from Trier, Germany.

 

Das Forschungsprojekt: "Internet in der Volksrepublik China: Kulturelle Ausprä-gung und regionale Wirkung eines globalen Mediums" beginnt.

Quelle: Trierischer Volksfreund,  10.12.2001

Bericht des Trierischen Volksfreund über das Website-Projekt der Medienwissenschaft.

 

2002

Trier

Der neu eingeführte Euro findet sich in großer Zahl in den Kassen der Trierer Gastronomen wieder: Das Hotelgewerbe in der Römerstadt boomt! 340.107 Gäste verbringen 637.845 Nächte in Trier. Umgerechnet heißt das, dass jeden Tag im Durchschnitt knapp 1.800 Touristen durch die Stadt spazieren, insgesamt ist die Zahl der Besucher dreimal so hoch, wie die der Einwohner. Genug zu sehen gibt es ja: Trier ist bekannt für seine historische Bauwerke und Ausgrabungsstätten. Viel zu sehen für die Besucher und reichlich "Lowie" für alle, die in Trier ein Hotel führen.

Quelle: Berthold Werner (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Quelle: By Helge Klaus Rieder (Own work) [CC0], via Wikimedia Commons

Mehrere Hunderttausend Gäste überzeugten sich 2002 selbst von der Schönheit Triers. Die Porta Nigra (oben) und der Hauptmarkt (unten) sind nur zwei der zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Welt

Medienwissenschaft

Zum Jahreswechsel wird der Euro offiziell als Bargeld in zwölf Ländern mit insgesamt 308 Millionen Einwohnern eingeführt. Die Bargeldumstellung gilt als bedeutendes Ereignis in der Geschichte Europas und eine große technische Herausforderung: Es ist die größte Währungsumstellung aller Zeiten. Nach einem Parallelumlauf, der in manchen Ländern bis zu zwei Monate dauert und es ermöglicht, Zahlungen in Euro oder in der nationalen Währung zu tätigen, wird der Euro am 1. März 2002 alleiniges gesetzli-ches Zahlungsmittel im Euro-Währungsgebiet.

 

Im Herbst sitzen Millionen Menschen ge-bannt vor den Fernsehgeräten: Die 1. Staffel des Casting-Formats "Deutschland sucht den Superstar" wird in Deutschland ausgestrahlt und erreicht bis zu 15 Millionen Zuschauer. Erster Gewinner der Show ist der damals 19-jährige Alexander Klaws.

Anstatt Persönlichkeiten zu zeigen, bilden die Euro-Banknoten fiktive Bauwerke ab, die an klassische europäische Stile angelehnt sind.

Quelle: Blackfish (Own work based on: European Central Bank) [ECB decisions ECB/2003/4 and ECB/2003/5 or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Am Tag der offenen Tür im Juni 2002 berichten angehende Medienwissenschaftlerinnen und Medienwissenschaftler rund um die Uhr live über das Ereignis. Mit einem Onlinemagazin begleiten Studierende des Faches in Kooperation mit dem Verein Webonliner e.V. den gesamten Tag der offenen Tür an der Universität Trier multi-medial und interaktiv. Insgesamt sind 40 Personen als Webreporter, Webdesigner, Techniker, Fotografen und Moderatoren von morgens bis abends pausenlos im Einsatz, um so aktuell wie möglich über das Großereignis im Internet zu berichten.

 

Annette Deeken organisiert die Ausstellung "X-Ray Portrait", die im November und Dezember in der Europäischen Kunstakademie stattfindet.

 

Im Medienprojekt "Abenteuer Bibliothek" entsteht eine Website, auf der Interessierte einen virtuellen Rundgang durch die Universitätsbibliothek unternehmen können.

Studierende der Medienwissenschaft bei der Arbeit für das Online-Magazin zum Tag der offenen Tür

Quelle:Screenshot UniJournal 03/2002

 

2003

Trier

Ein Jahr nach dem verheerenden Hochwasser in Nord- und Ostdeutschland erwischt es auch Trier: 2003 erreicht die Mosel einen Höchstpegel von zehn Metern. Manche nehmen es mit Galgenhumor, auf der Website des Weingutes Steffens-Keß heißt es beispielsweise: "Durchschnittlich

einmal im Jahr ist die Mosel bei uns im Keller zu Gast. Der Normalpegel der Mosel ist ungefähr bei 2,50 bis 3,00 m. Ab 8,30 m läuft die Mosel in unseren Keller. Bei 9,70 m wird es ärgerlich, weil dann die Steckdosen und Lichtschalter nass werden, bei über 11,20 m wird das Parkett im Wohnzimmer naß. Dieses Hochwasser (03.01.2003) hatte eine Höhe von 10,55 m."

 

2003 ist Trier seinen Status als Großstadt vorerst los: Nur noch 99880 Ersteinwohner hat Trier nach der offiziellen Landesstatistik vom 30. Juni 2002. Das ist nicht nur eine Frage des Stolzes oder des Prestige, sondern kostet die Stadt auch jede Menge an den Status gekoppelte Subventionen.

So sieht die Mosel in Trier normalerweise aus. 2003 erreichte der Fluss einen der höchsten Wasserstände überhaupt.

Quelle: Rhmaster (Eigenes Werk) [CC0], via Wikimedia Commons

Welt

Medienwissenschaft

"MP3 heißt das Phänomen, das seit einiger Zeit der internationalen Musikindustrie Kopfzerbrechen bereitet." So lautet eine Schlagzeile im Unijournal 03/1. Während auf der einen Seite noch über das neue Musikformat diskutiert wird, ist die Medienwissenschaft digital up to date, wenn nicht gar der Zeit voraus:  Sie führt eine Studie über E-Papers durch. In dieser wird untersucht, wie Zeitungen, Onlineangebote und ePapers genutzt werden.

 

Im Oktober findet die Fachtagung "Celluloid goes Digital" statt, das später unter dem gleichen Titel erscheinende Buch wird von Martin Loiperdinger herausgegeben.

 

Professor Dr. Michael Jäckel erforscht "Funkmedien in Luxemburg" und ist am Start des Usability-Projekts "@value.web" beteiligt.

 

Trotz der vielen Projekte hat das Fach noch Zeit, sich selbst zu bewerben und präsentiert sich in einer Info-Broschüre. Außerdem entsteht ein schmucker Image-Film. Dieser stellt das Fach auf eine ungewöhnliche Weise vor.

Die "Königin der Lüfte" fliegt nicht mehr - im Oktober 2003 findet der letzte Flug einer Concorde Maschine statt. Das Ende der Concorde hatte sich lange abgezeichnet: Am 25. Juli 2000 war eine Maschine wenige Sekunden nach dem Start in Paris abgestürzt, bei dem Unglück starben alle 109 Menschen an Bord des Flugzeugs, sowie vier Personen am Boden. Dieser Ereignis hatte den Anstoß für eine Diskussion geliefert, die 2003 in dem endgültigen Ende der Concorde resultiert.

 

Ein anderer startet hingegen gerade erst durch: Der österreichisch-amerikanische Schauspieler Arnold Schwarzenegger wird in Kalifornien zum Gouverneur gewählt. Erst acht Jahre später heißt es für ihn "Hasta la vista, Baby": Der "Gouvernator" bleibt bis 2011 im Amt.

Quelle: Eduard Marmet [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0), CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)], via Wikimedia Commons

Das bewegliche Cockpit und ihr futuristisches Aussehen waren charakteristisch für die Concorde. Sie gilt außerdem als Beispiel für Industriespionage: Die sowjetische Tupolev Tu-144 erhielt wegen ihres beinahe identischen Aussehens den Spitznamen "Konkordinski".

 

2004

Trier

Auf dem Petrisberg eröffnet nach einer Bauzeit von nur 20 Monaten das Geländer für die Kultur-Landesgartenschau. Das einem Investitionsvolumen für die Umgestaltung des Areals hatte rund 15 Millionen Euro betragen. Tausende Besucher staunen über das neue Gesicht des 44 Hektar großen Landesgartenschau-Geländes, das jahrzehntelang als militärisches Sperrgebiet für die breite Öffentlichkeit nicht zugänglich war.

 

Auch ein anderes Bauprojekt wird fertiggestellt: Nach langen und umfangreichen Planungen und einer breiten Bürgerbeteiligung wird der neugestaltete Kornmarkt ingeweiht.

Quelle: Berthold Werner (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Quelle: Berthold Werner (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Der Kornmarkt (oben) gehört vor allem im Sommer zu den schönsten Plätzen Triers. Dort befindet sich unter anderem das Casino. Einen ganz anderen Baustil finden Besucher auf dem Petrisberg vor. Der Turm Luxemburg (unten) befindet sich am LGS-Gelände.

Welt

Medienwissenschaft

Weihnachten am Strand verbringen - dieser Traum wird am 26.12.2004 zum Alptraum, als ein Seebeben im Indischen Ozean mit der Stärke 9,1 eine Reihe von Tsunamis an den Küsten auslöst. Betroffen sind unter anderem Sri Lanka, Indonesien und Thailand. Insgesamt sterben etwa 230.000 Menschen. Die Katastrophe wird außergewöhnlich gut dokumentiert: viele Urlauber haben eine Videokamera oder Digitalkamera zur Hand.

 

Mark Zuckerberg gründet Facebook in seiner heutigen Form. Damals erahnt niemals das Potential des Netzwerks. Heute ist Facebook mit mehr als 2 Mil-liarden Nutzern das erfolgreichste social network der Welt.

 

Das Foto des 20-jährigen James Blake Miller, das ihn mit einer Zigarette im Mund zeigt, geht in die Mediengeschichte ein. Miller ist ein US-Marine, der auf dem Bild seine volle Montur trägt und sich mitten in der Schlacht um das irakische Falludscha befindet. Luis Sinco, der Urheber des Bildes, begleitet die Truppen als "embedded Journalist". "Marlboro Marine" Miller, der auf dem Foto mit dreckverschmiertem Gesicht und leerem Blick in die Kamera schaut, leider später unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.

By David Rydevik (email: david.rydevikgmail.com), Stockholm, Sweden. (Originally at Bild:Davidsvågfoto.JPG.) [Public domain], via Wikimedia Commons

Der Tsunami vom 26.12.2004 trifft Thailand.

Die Medienwissenschaft feiert eine wichtige Neugründung: Mit dem Medianetz Trier e.V. entsteht ein Verein, der das Ziel verfolgt das Fach Medienwissenschaft an der Universität Trier in Forschung, Studium und Lehre sowohl ideell als auch finanziell zu fördern. Absolventinnen und Absolventen der ersten beiden Studieren-Jahrgänge der Trierer Medienwissenschaft gründen den Verein.

 

Zeitgleich entsteht in der Medienwissen-schaft das Medienprojekt "Perspektive Petrisberg". Das Projekt versteht sich selbst als ein Beitrag zur Nachhaltigkeit: Durch die multimediale Aufbereitung wer-den vor allem die Ereignisse, Schauplätze und Bauwerke virtuell archiviert, die nach der Landesgartenschau verschwunden sein werden.

Quelle: Medienetz Trier e.V.

Quelle: Medienwissenschaft Universität Trier

Der Verein Medianetz Trier e.V. (Logo oben) wurde von Absolventinnen und Absolventen der Medienwissenschaft gegründet. Das untere Bild zeigt die Startseite der Website zum Projekt "Perspektive Petrisberg".