Der Zweite Golfkrieg: Medien im Gleichschritt

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Dieser Wiki-Eintrag betrachtet die Rolle der Medien während des zweiten Golfkonfliktes 1990/91. Dabei wird auf die Besonderheiten der Pressepolitik sowie die Berichterstattung der Medien eingegangen. Der Terminus Golfkonflikt bezeichnet dabei den gesamten Zeitraum vom Eindringen der irakischen Truppen in Kuwait bis zum Beginn der kämpferischen Auseinanderseztungen (Golfkrise) und den Zeitraum der eigentlichen Gefechte (Golfkrieg).


Inhaltsverzeichnis

Die Chronologie des Zweiten Golfkrieges

02.08.1990 Irak besetzt Kuwait mit Militärgewalt
06.08.1990 UN-Sicherheitsrat verabschiedet Resolution 661, die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak verhängt
07.08.1990 Bush kündigt an, dass die ersten US-Truppen und Ausrüstung nach Saudi-Arabien verlegt wurden, die Operation „Desert Shield“ beginnt mit dem Verlegen der ersten amerikanischen Soldaten an den Golf
29.11.1990 UN-Sicherheitsrat setzt mit Resolution 768 dem Irak ein Ultimatum für den Rückzug seiner Truppen, welches am 15. Januar 1991 abläuft
16.01.1991 Operation „Desert Storm“ beginnt. Massive Luftangriffe gegen irakische Ziele
23.02.1991 Ein Ultimatum von 22. Februar der Alliierten Streitkräfte, dass sich die irakischen Truppen zurückziehen sollen, läuft aus
24.02.1991 Die Bodenoffensive der Alliierten Streitkräfte beginnt
26.02.1991 Irakische Truppen beginnen Rückzug aus Kuwait
27.02.1991 Der amerikanisch Präsident George Bush verkündet das Ende der Gefechte


Die Legitimation des Zweiten Golfkrieges

Die Strategie des Weißen Hauses

Ob eine militärische Intervention die einzige Lösung der Golfkrise 1990/91 gewesen ist, oder ob nicht auch diplomatische Bemühungen zu einer Lösung hätten führen können, ist bis heute strittig. Viele Autoren gehen davon aus, dass die USA aus verschiedenen innerpolitischen Gründen kein Interesse daran hatten, den Konflikt friedlich beizulegen. (vgl. u.a. Kellner 1992, MacArthur 1992). Gesichert sind allerdings die Erkenntnisse über die massiven Bemühungen der Bush-Administration den Krieg innen- wie außenpolitisch durch geschickte Pressearbeit zu legitimieren.

John MacArthur schreibt zu den Bemühungen des Weißen Hauses: „Im August 1990 bestand die Aufgabe der Bush-Administration darin, den amerikanischen Medien zwei Bilder zu verkaufen – ein hässliches von Hussein und ein schönes von Kuwait. Die Medien würden dann […] helfen, die Bilder dem amerikanischen Volk zu verkaufen“ (MacArthur 1992: 52-53). Um diese Aufgabe zu bewältigen, versuchte die Regierung ein Feindbild von Saddam Hussein zu etablieren. Hierfür stellte die Bush-Administration den Irak als kriegstreiberisch und unberechenbar dar. Die Rhetorik des Weißen Hauses zog dabei immer wieder Parallelen zwischen dem Nazi-Deutschland und dem Irak. Deutlichstes Beispiel ist der häufig in offiziellen Aussagen und Reden wiederkehrende Vergleich von Adolf Hitler und Saddam Hussein (vgl. Jowett 1997: 83, MacArthur 1993: 83). Das Weiße Haus versuchte dadurch das Bild eines Kampfes „Gut gegen Böse“ zu zeichnen. Neben dem Feindbildaufbau von Saddam Hussein hat das Pentagon wiederholt die Gefahr, die von den irakischen Truppen für die Region - insbesondere Saudi Arabien und Israel - ausging, hervorgehoben. Dabei wurden die militärischen Fähigkeiten der irakischen Armee, vor allem Anzahl und Gebrauch chemischer Waffen, in offiziellen Einschätzungen teilweise erheblich überbewertet. „Thus, there are reasons to believe that the Bush administration exaggerated the number of Iraqi troops in Kuwait and the threat to Saudi Arabia to scare the Saudis into accepting the U.S. troops and to justify its own troop buildup in the region and eventually military action (Kellner 1992: 29). Kellner wirft den amerikanischen Medien in diesem Zusammenhang vor, sie hätten durch die ungeprüfte Übernahme offizieller Aussagen in ihre Berichterstattung die Politik von Präsident Bush unterstützt (vgl. Kellner 1992: 17-19).

Begleitend zu den Bemühungen des Weißen Hauses den Irak als gefährliche Bedrohung darzustellen, war eine von der kuwaitischen Regierung initiierte und von Hill&Knowlton durchgeführte PR-Kampagne. Diese sollte ebenfalls die Grausamkeit der irakischen Soldaten darstellen und ein positives Bild Kuwaits zeichnen sollte. Diese Bemühungen gelten als Paradebeispiel für Propagandaarbeit in Krisenzeiten und sind von John R. MacArthur, Journalist und Herausgeber des Harper’s Magazines, in seinem Buch „Second Front: Censorship and Propaganda in the 1991 Gulf War“ aus dem Jahr 1992 ausführlich dokumentiert.

Die PR-Kampagne von Hill&Knowlton

Unmittelbar nach der Invasion von Kuwait gründete sich in den Vereinigten Staaten die Vereinigung „Citizens for a Free Kuwait“ (CFK), die es ich zur Aufgabe gemacht hatte, das Wissen über Kuwait und dessen Image in den USA zu verbessern. Am 10. August unterzeichnete die Organisation einen Vertrag mit der PR-Firma Hill&Knowlton (H&K). Insgesamt hatte H&K bis zum Ende des Krieges ein Budget von ca. 10,8 Millionen USA Dollar von der Regierung aus Kuwait zur Verfügung gestellt bekommen (MacArthur. 1993: 60). Mit diesem Geld produzierte H&K Pressemappen sowie Pressevideos, die sie landesweit den Medien zur Verfügung stellten, organisierten nationale Gebetstage für das Emirat, verteilten tausende von T-Shirts und Aufklebern mit der Aufschrift „Free Kuwait“, und vermittelten Treffen zwischen kuwaitischen Persönlichkeiten und amerikanischen Journalisten. Das Ziel dieser groß angelegten „Charmoffensive“ war, das Bild eines freien, demokratischen und friedlichen Kuwaits zu skizzieren. Dabei wurden Tatsachen über Geschichte und politische Kultur des Emirats, die nicht in dieses Bild passten, beschönigt, oder weggelassen (MacArthur 1993: 53-55).

Nach Kriegsende erklärte Craig Fuller, der damalige Präsident von H&K, in einem Interview der BBC: „Als die Kuwaiter sich an uns wandten, haben wir uns fast unwillkürlich an die Leute in der Regierung gewandt, um herauszufinden, wie wir für die Absichten des Präsidenten von Nutzen sein könnten“ (zit. nach MacArthur 1993: 59). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, das sowohl der Präsident von H&K, Craig Fuller, wie auch der Vizepräsident, Frank Mankiewicz, und der Vorstandsvorsitzende Robert K. Gray gute Kontakte zu den politischen Parteien unterhielten. Kay, der den Vertrag von H&K mit dem CFK unterzeichnete, war seit vielen Jahren ein wichtiger Mann der Republikaner, Fuller war Stabschef unter Vizepräsident Bush (vgl. MacArthur 1993: 59).

Mira Beham resümiert über die Propagandaaktivitäten im Vorfeld der militärischen Auseinandersetzung: „Unzweifelhaft haben irakische Soldaten bei ihrem Einmarsch in Kuwait Grausamkeiten begangen. Doch aus ein paar verstreuten Vorwürfen oder Feststellungen solcher Art lässt sich noch keine erfolgreiche Öffentlichkeitspolitik machen, die die Welt in einen Krieg führen würde. Erst die organisierte und gezielte Strategie von Hill&Knowlton hat die Amerikaner und die internationale Gemeinschaft zu einem gemeinsamen Kriegsziel integrieren können“ (Beham 1996: 156).


Die Brutkasten-Story

Hill&Knowlton war auch dafür verantwortlich „Beweismaterial“ für diverse Anhörungen in politischen Gremien vorzubereiten. Bei einer Anhörung am 10. Oktober 1990 vor dem Arbeitskreis für Menschenrechte des amerikanischen Kongresses trugen Amnesty International und die CFK ihre Sicht über irakische Menschenrechtsverletzungen vor. Die CFK hatte „Nayirah“ ein fünfzehnjähriges kuwaitisches Mädchen als Augenzeugin eingeladen, die die Brutalität der irakischen Soldaten in Kuwait schilderte: „Sie [die irakischen Soldaten, Anm. d. Verf.] nahmen die Babys aus den Brutkästen, nahmen die Brutkästen mit und ließen die Babys auf dem kalten Fußboden zurück, wo sie starben“ (zit. nach MacArthur 1993: 70).

Die, wie sich später noch herausstellen sollte, initiierte Brutkastengeschichte passte der Regierung in Washington gut in ihr Konzept. Präsident Bush verwies nach bekannt werden der Brutkasten-Vorfalls im Oktober 1990 immer wieder in Reden auf die Taten der irakischen Soldaten und konnte damit seinen Vergleich von Hussein und Hitler untermauern. „Die Bedeutung der Brutkasten-Story im Rahmen der umfassenderen Propagandakampagne einerseits gegen Saddam Hussein und andererseits für die Kriegsoption darf man nicht unterschätzen. Ohne sie verliert der Vergleich Husseins mit Hitler seinen Glanz; man mußte beweisen, daß Hussein das Böse schlechthin war“ (MacArthur 1993: 81). Auch Amnesty International, die lange vergeblich versuchten die Geschichte zu verifizieren veröffentlichte im November einen Bericht, der die Geschichte Nayirahs bestätigte, und so der Geschichte zusätzliche Glaubwürdigkeit verlieh, ein schwerer Fehler für den sich Menschenrechtsorganisation später entschuldigte. Kunczik schreibt über Kongress-Anhörung und deren Wirkung: „Hill&Knowlton sorgte nicht nur für die Zeugin, sondern veranlasste auch, dass ein Film, der die Aussage Nayirahs zeigte, von 700 Fernsehstationen gesendet wurde. Allein in einer einzigen Sendung am 10. Oktober 1990 (ABC Nightline) sahen 53 Millionen Amerikaner diese Szene“ (Kunczik 2004: 92). Amnesty International versuchte die Aussagen der Zeugin in den nächsten Wochen zu verifizieren, konnte aber keine gesicherten Erkenntnisse erlangen. Ähnliche Aussagen über Gräueltaten der irakischen Armee wiederholten weitere Zeugen bei einer Präsentation am 27. November 1990 vor dem UN-Sicherheitsrat, bei der auch die Brutkastengeschichte erneut dargelegt wurde. Unter den Zeugen war auch eine kuwaitische Frau, die als Flüchtling vorgestellt wurde, sich aber später als Fatima Fahed, eine bekannte kuwaitische TV-Moderatorin und Ehefrau eines kuwaitischen Ministers, entpuppte. (vgl. Manheim 1994: 140) Für die Anhörung vor der Weltöffentlichkeit hatte H&K die Zeugen ausgewählt und auf ihre Aussagen vorbereitet (vgl. MacArthur 1993: 77). Ein Jahr nach dem Ende des Golfkrieges, berichtete der Journalist John MacArthur in der New York Times über die wahre Identität des fünfzehjährigen Mädchens. Nayirah, war in Wirklichkeit Nijirah al-Sabah, die Tochter des kuwaitischen Botschafters in Washington und es sei umstritten, ob sie zu fraglichen Zeit überhaupt vor Ort war. Hill&Knowlton war, nachdem diese Tatsche bekannt wurde, heftigen Vorwürfen ausgesetzt, da die Firma die Identität des Mädchens verheimlicht hatte (vgl. Kuncik 2004: 92).

Die Grundlagen der Medienpolitik

Der Umgang mit den Medien

Bereits kurz nach dem Einmarsch der irakischen Armee in Kuwait, als der eigentliche Krieg noch gar nicht auf der Agenda stand, wurden die Richtlinien zum Umgang mit Journalisten, die über die US-amerikanischen Streitkräfte die nach Saudi-Arabien verlegt wurden, ausgearbeitet. Dabei war es erklärtes Ziel der Bush-Administration, die Berichterstattung über die Geschehnisse in der Golfregion in ihrem Sinn zu lenken und zu beeinflussen. Um das zu erreichen, mussten die Journalisten möglichst mit eigenen Informationen versorgt und ihre Tätigkeiten überwacht werden. Die Pressepolitik des Weißen Hauses während des Golfkonfliktes kann somit im Gegensatz zu der sehr freien Berichterstattung über den Vietnamkrieg gesehen werden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu unterscheiden, dass die Verantwortung über die Berichterstattung während der Golfkrise von der politischen Führung wahrgenommen wurde und nicht wie zum Beispiel in Vietnam von den Militärs (vgl. Thrall 2000: 165-165). Denn vor dem Hintergrund des Vietnamtraumas wollte man unbedingt verhindern, dass die Medien mit einer aus Sicht des Pentagons „unpatriotischen“ Berichterstattung die Kriegsbefürwortung der Bevölkerung gefährdeten.

Während des Golfkonfliktes, lagen zwei Prinzipien der Öffentlichkeitsarbeit der US-Regierung zugrunde: 1. Militärische Belange sollten den Rechten der Medien vorgelagert sein und 2. die US-Regierung durfte ihre Glaubwürdigkeit gegenüber dem amerikanischen Volk nicht verlieren (vgl. Thrall 2000: 175). Um diese beiden Ziele zu verwirklichen, griff man auf das bereits während der Invasion von Grenada etablierte zurück und passte es den Gegebenheiten am Persischen Golf an. Das erste Dokument, welches die grundlegenden Richtlinien für die Rechte der Medien und die Berichterstattung festlegte, war der so genannte „Annex Foxtrott“. Dieses geheime, zehnseitige Memorandum wurde von Captain Ron Wildermuth, einem PR-Spezialisten des Pentagons, bereits am 14. August 1990 ausgearbeitet und spiegelte die beiden Prinzipien der Regierung wider (vgl. MacArthur 1992: 15). Der frühe Termin zu dem dieses Dokument erschien, verdeutlicht noch einmal die Wichtigkeit, die das Weiße Haus den Medien in dem Konflikt beimaß. „Kapitän Wildermuth war der Oberste Public-Relations-Mann von General H. Norman Schwarzkopf, und Annex Foxtrott hob vor allem eine Regel heraus […]: ‚Die Vertreter von Nachrichtenmedien sind ständig zu begleiten. Ich wiederhole: ständig.’“ (MacArthur 1993: 15). Das Poolsystem sollte helfen dieses Dogma zu erfüllen.

Pete Williams: der Drahtzieher

Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Öffentlichkeitsarbeit der Regierung und zum Etablieren der Strukturen des Poolsystems trug Pete Williams, der Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums, bei. Bereits zu Beginn der Krise versammelte er die wichtigsten Vertreter der großen Medienunternehmen und legte ihnen die Prinzipien für die Berichterstattung im Golfkonflikt dar. Dabei gelang es ihm, die Medienvertreter davon zu überzeugen, dass die Regierung das gleiche Ziel wie die Medien, die umfassende Information der Bürger über den Verlauf des Konfliktes, hatte. Er ging immer wieder auf die Belange der Journalisten ein. Als besonders clever bezeichnet MacArthur, das Vorstellen eines 3-Stufen-Planes, dessen dritte Stufe eine ungehinderte Berichterstattung über „militärische Aktivitäten“ nach dem Vorbild Vietnams vorsah. Wann diese Phase eintreten sollte, wurde nicht dargelegt. „Ob sich hinter Aktivitäten Holzschnitzkurse, Naturkunde oder Kampfhandlungen verbargen, scheint sich kaum einer gefragt zu haben, aber der Ausdruck ‚Phase III’ hatte etwas Beruhigendes“ (vgl. MacArthur 1993: 37). Williams war es auch, der die wichtigen Memoranden, welche die Inhalte und Reglementierungen für die Journalisten festlegten, ausarbeitete und vorstellte. Eines der vielen Dokumenten waren die so genannten „Groundrules“ nach deren Vorschriften die Presseoffiziere und Journalisten in den Medienpools arbeiteten mussten.

Das Poolsystem

Die Struktur des Poolsystems

Die Idee eines Pool-Systems ist keine Neuerung, die dem Golfkrieg zugeschrieben werden kann. Bereits vorher arbeiteten offizielle Stellen wie das Weiße Haus und die NASA mit ähnlichen Strukturen (Wooodward 1993: 13). Die Arbeitsweise von Medienpools kann mit der Arbeitsweise einer Nachrichtenagentur verglichen werden, bei der ein Journalist seine Rechercheergebnisse sowie seine Bilder und Videoaufnahmen allen Abonnenten zugänglich macht. Die Funktionsweise des Poolsystems während des Golfkriegs fasst Bussemer wie folgt zusammen: „[…] Das Pool-System [sah vor, d. Verf.], dass ausgewählte Journalisten von der Armee an bestimmte Punkte des Kampfgebietes gebracht wurden und dort unter Aufsicht filmen und recherchieren durften, um danach ihr Material mit den zurückgebliebenen Kollegen zu teilen, […]“ (Bussemer 2003: 25). In den Bestimmung die Pete Williams erließ heiß es zu den Pools: „Für Einzelpersonen der Medien, die sich Zutritt zum US-Kampfgebiet verschaffen möchten, gilt folgende Regel: Vor oder bei Beginn der Kampfhandlungen werden Medienpools eingerichtet, um Vorsorge für eine erste Kampfberichterstattung der US-Streitkräfte zu treffen. US-Medienvertreter in Saudi-Arabien erhalten die Gelegenheit, CENTCOM-Medienpools [Central Command, Anm. d. Verf.] beizutreten, vorausgesetzt sie sind damit einverstanden, ihre Arbeit in den Pool einzubringen. Medienvertreter, die nicht Mitglieder des offiziellen CENTCOM-Medienpools sind, erhalten keinen Zugang zu den vorderen Gebieten“ (abgedruckt in Schwilke 1991: 72).

Die Notwendigkeit eine solche Struktur während des Golfkonflikts aufzubauen, rechtfertigten offizielle Stellen damit, dass es aus Gründen der Sicherheit des einzelnen Journalisten unmöglich gewesen sei, allen Medienvertretern ungehindert Zugang zum Kampfgebiet zu gewähren. Verteidigungsminister Richard Cheney fasste dies zusammen als er sagte: “There is a huge gaggle of reporters out there, and the press has absolutley no capacity to police itself. There was no way we were ever going to put 100 percent of reporters who wanted to go cover the war out with the troops” (zit. n. DeParle 1992: 25). Auf einen weiteren Aspekt des Poolsystems wieß der deutsche Juornalist Heimo Schwilk hin: „Aus dem ‘Pool’ bedienten sich somit alle, was die Berichterstattung – aus der Perspektive der Medienkontrolleure – so problemlos und stromlinienförmig machte“ (Schwilk 1992: 74).

Zu Beginn der Präsenz amerikanischer Truppen in Saudi Arabien, gab es zunächst zwei Medienpools, die beide jeweils Platz für 18 Journalisten boten. Diese Zahl wurde erst nach Beginn der eigentlichen Luftangriffe und nach erheblichen Protesten der Medienvertreter vor Ort durch Einführen weiterer Pools auf 192 erhöht. Zunächst wurden zu den beiden bestehenden Pools elf „quick reaction“ Pools eingerichtet, deren Mitglieder schnell auf die aktuellen Ereignisse reagieren sollten (Thrall 2000: 191-192). In diesen kleineren Pools waren jeweils sieben Mitglieder, die sich auf die einzelnen Mediengattungen aufteilten, tätig: drei für ein TV-Team, und jeweils ein Reporter für die Nachrichtenagenturen, Tages- und Wochenzeitungen und das Radio (Schwilk 1991: 73). Zusätzlich zu den elf kleineren Pools wurden noch zwei weitere, große Pools eingerichtet, die sich hauptsächlich um die Berichterstattung über die Bodentruppen kümmerten. Thrall schreibt über die Entwicklung der Poolplätze, dass zu Beginn der Luftangriffe lediglich 36 Poolplätze für über 700 Journalisten vorhanden waren. Zu Beginn des Bodenkrieges war die Zahl der Poolplätze auf 192 angestiegen, die für über 1400 Journalisten zur Verfügung standen. Nie zuvor durften bei einer kriegerischen Auseinandersetzung so viele Journalisten vor Ort vom Kriegsgeschehen berichten, doch blieben damit weit über 1000 Journalisten in ihrem Hotelzimmern auf das Material der täglichen Press Briefings und das Material der Kollegen angewiesen (Thrall 2000: 1991-192).

Der Zugang zu den Medienpools

Die Journalisten waren während des Krieges in Saudi-Arabien, im Dahran International Hotel, untergebracht. Hier war auch der Sitz des Joint Information Bureaus (JIB), von wo aus die Tätigkeit der einzelnen Medienpools koordiniert wurde. Wer in einem der Medienpools arbeiten wollte, musste sich in eine Liste eintragen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Entscheidung über die Zusammensetzung der Pools überließ das JIB den Medien selber. Jede Mediengattung hatte ihr eigenes System, wie die wenigen Plätze in den Pools unter den Journalisten aufgeteilt wurden. Die Fernsehsender ernannten einen Repräsentanten, der die Plätze verteilte, die Fotografen hatten ein fünfköpfiges Gremium welches die Entscheidung traf. Kein einheitliches System herrschte unter den Vertretern der Presse, und so schwankten die Regelungen wer in einen Poolplatz bekam von „Demokratie bis Diktatur“, je nach dem, wer gerade die Verantwortung trug (vgl. Thrall 2000: 1999). Thrall schreibt über diese Praktik: “Adding considerably to the media’s woes, journalists for the first time became their own jailers in the Gulf” (Thrall 2000: 198). Einen klaren Vorteil hatten innerhalb dieses Systems die großen Medienorganisationen, die bereits seit Beginn der Krise vor Ort waren und die Pressepolitik mitgestalten konnten. Diese „sacred ten“ genannten großen Medienunternehmen, unter ihnen die großen Fernsehnetzwerke ABC, NBC und CBS, die New York Times, das Time-Magazine und Newsweek, hatten sich ständige Plätze in den Pools sichern können. Die restlichen Plätze rotierten in den „quick reactions“ Pools nach jedem Einsatz; in den großen Pools alle zwei Wochen. Diesen sehr reglementierten Zugang zu den Plätzen in den Pools bezeichneten viele der Journalisten als „Zensur durch Zugang“.

Die Arbeitsweise des Medienpools

Journalisten die einen Platz in einem Pool bekommen hatten, konnten sich für Fahrten zu den von den Militärs bestimmten Einheiten und Plätzen anmelden, dort ihre Recherchen machen und anschließend wieder zu ihren Kollegen zurück in das Hotel fahren. Während der Recherchearbeit wurden sie, wie bereits in „Annex Foxtrott“ dargelegt, ständig von Presseoffizieren der amerikanischen Armee begleitet. Diese ständige Begleitung beeinträchtigte die Arbeit der Journalisten erheblich. „Many journalists complained, that their escorts glared at the troops they were interviewing so much, enlisted personnel were sacred to give honest answers to questions“ (Thrall 2000: 192). Im Hotel wurden die Bilder, Videos und Berichte dann von den Presseoffizieren auf der Grundlage der Groundrules, die jeder Journalist, der in einem Pool arbeiten wollte, unterschreiben musste, durchgeschaut. Die Groundrules waren die vom Weißen Haus erlassenen, journalistischen Richtlinien, in denen festgeschrieben war, über welche Ereignisse berichtet werden durfte und über welche Sachen aus militärischen Gründen nicht berichtet werden durfte. Hierzu gehörten:

  • Any information that reveals details of future plans, operations, strikes including postponed or cancelled operations.
  • Information, photography, and imagery that would reveal the specific location of military forces or show the level of security at military encampments.
  • Information on operational or support vulnerabilities that could be used against U.S. forces, such as details of major battle damage or major personnel losses of specific U.S. or coalition units (Woodward 1993: 13).

Fand ein Presse Offizier einen Verstoß gegen die Groundrules, so besprach er diesen mit dem zuständigen Journalisten, um eine Einigung zu treffen. Sollte es keine gemeinsame Entscheidung geben, so wurde der betreffende Bericht dem JIB in Dahran vorgelegt. Hier wurde er von dem Direktor des JIB, Erik Willenbrock, überprüft. Sollte erneut keine Einigung gefunden werden, so sahen die Regeln eine Übersendung des Materials zur Durchsicht nach Washington vor. Die finale Entscheidung ob die vorgeschlagenen Änderungen in das entsprechende Stück eingearbeitet wurden, oblag aber den Medien. Nach Angaben von Thrall wurden von 1351 durchgesehenen Reportagen nur 5 bis in Pentagon weitergeleitet, bei allen anderen Poolberichten konnte bereits früher eine Einigung erzielt werden. In den Vorschriften vom Pentagon hieß es zu dem Verfahren: „Das Material [welches die Journalisten von der Front mitbrachten; Anm. d. Verf.] wird einzig und allein auf die Übereinstimmung mit den beigefügten Grundregeln hin überprüft, nicht aber, um Kritik zu üben oder Verwirrung zu stiften“ (abgedruckt in Schwilk 1991: 72). Zudem heißt es in den Regeln ausdrücklich, dass der Presseoffizier die Bedenken, die er hatte, mit dem Journalist „diskutiert“. Schwilk schreibt zu diesem Verfahren: „dass die amerikanischen Reporter […] patriotisch genug [waren, d. Verf.], um den militärischen Sinn der Zensur einzusehen“ (Schwilk 1991: 75). Als weitere Hürde erwies sich, dass dieses Verfahren oft lange Zeit in Anspruch nahm, da entsprechende, als fragwürdig eingestufte, Berichte zunächst nach Dahran zur Genehmigung gelangen mussten. Die Verzögerungen die dadurch auftraten, führten nicht selten dazu, dass das Material, bevor es letztlich freigegeben wurde, bereits keine Neuigkeiten mehr beinhaltete. John Fialka, ein Journalist des Wall Street Journals, fasst dies Tatsache zusammen, wenn er rückblickend schreibt: „Accounts of major battles took three or four days to reach New York because of the haphazard military courier system abtly duppted the ‚Pony Express’“ (zit. nach Thrall 2000: 193).

Eine weitere Informationsquelle, die allen Journalisten zur Verfügung stand, waren unzählige Pressekonferenzen, sowohl in Saudi Arabien, als auch in Washington. Diese „press briefings“ boten der Administration die Möglichkeit ihre Meinung und Ansicht zum Verlauf des Konfliktes darzulegen. Aufgrund mangelnder alternativer Quellen nahmen die Journalisten die Informationen und Materialien, welche von offizieller Seite zur Verfügung gestellt wurden, gerne an.

Die Pressepolitik des Weißen Hauses kann man unter den oben beschriebenen Umständen als sehr reglementiert und nah an der Zensur beschreiben; viele Autoren sprechen ausdrücklich von Zensur. Kellner fasst das System zusammen als: „Such control of Press coverage was unprecedent in history of U.S. warfare. Historically, journalists have been allowed direct access to combat troops and sites, and frontline reporting was distinguished during World War II and Vietnam” (Kellner 1992: 81).

Die Medienstrategie der Iraker

Es darf nicht vergessen werden, dass man sich auch im Irak über die Wichtigkeit der Pressearbeit und dem Aufbau eines Feindbildes bewusst war. Analog zu den Hitler-Vergleichen bezeichnete Saddam Hussein seinen Gegner George Bush wiederholt in den Medien als „Satan“ oder „Evil Butcher“ (Jowett 1997: 83). Im Kontrast zu den Vereinigten Staaten, bedurfte es aber keiner so ausgefeilten PR-Strategie von Saddam Hussein, der seine Meinung und Ansicht ungefiltert in den vom Staat kontrollierten Medien ausbreiten konnte. Zusätzlich konnte Saddam Hussein wegen der Aktualität des Themas seine Ansicht in mehreren westlichen Medien ungefiltert formulieren. Dabei versuchte er durch Aussagen und Bilder, die in amerikanischen Medien wiedergegeben wurden, die Debatte zu seinen Gunsten zu beeinflussen (vgl. Manheim 1994: 137). Der Journalist Ulrich Kienzle schreibt zu der irakischen Propaganda: „Die Propagandisten in Bagdad begriffen sehr schnell den ‚Unterhaltungswert’ ihres neuen Weltstars. Ihre Forderung: eine Stunde Programm in der Prime time. Wohlgemerkt ungeschnitten. Viele Kollegen nahmen diese Bedingungen an. Sie sendeten ungeschnitten und in der vorgeschriebenen Länge” (Kienzle 1991: 73).

Die Korrespondenten, die noch während des Krieges in Irak geblieben waren, unterlagen den strengen Zensurvorschriften der irakischen Behörden. Ihnen war nur der Aufenthalt in speziellen, von den Behörden genehmigten Gebieten und unter Aufsicht gestattet. Damit wollten die Behörden sicherstellen, dass die Berichterstattung den eigenen Zielen diente. Den Journalisten wurde kein Zugang zu den offiziellen Behörden genehmigt und Interviews mit der Zivilbevölkerung waren ebenfalls nicht erlaubt. Ihre Berichte mussten sie den irakischen Zensurbehörden vor Veröffentlichung vorlegen und in den meisten Fällen waren Live-Berichte nicht erlaubt (vgl. Thrall 1997: 206). Thrall fasst die Situation der ausländischen Korrespondenten in Bagdad wie folgt zusammen: „They had no way to shed light either on crucial domestic political issues or on how the war was processing on the Iraqi side. In short, the potential in Baghdad was quite limited“ (Thrall 1997: 206).

Die Medienberichterstattung

Der Kriegsauftakt in den Medien

Was für die Weltgemeinschaft als krisenhaftes Szenario zwischen Verhandlungen und Kriegsandrohungen begann und sich Anfang 1991 zu einem Krieg gegen Saddam Hussein steigerte, entwickelte sich für die Medien zu monatelangen Kriegsprogramm-Ankündigunge. CNN versprach seinem Publikum Logenplätze zum Kriegsauftakt. „As war erupts in the Persian Gulf, the world turns to one source, as principals check the widening conflict, key figures monitor world reactions, and families look for news of hope. Now more than ever, shouldn’t you be watching CNN?“ (zit. n. White 1994: 121). Als CBS-Frontman Dan Rather in den Abendnachrichten vom 16. Januar, einen Tag nach dem Auslaufen der UN-Resolution zur Primetime verkündete: „War has begun in the Mideast“ (zit. n. Caldarola 1994: 98), läutete er nebenbei ein nicht enden wollendes Fernsehspektakel ein, „which kept many people glued to their television sets throughout the night, and propelled even disinterested audience members into an emotion-draining spiral of anxiety (Caldora 1994: 98). Dabei hatten die Sender in den USA sowie weltweit aufgrund von unsicheren Informationen und fehlenden Bildern in den ersten 48 Stunden nach Kriegsbeginn erhebliche Probleme ihr Programm mit Inhalten zu füllen. Zur Enttäuschung vieler Zuschauer lieferten die Sondersendungen keine Live-Bilder vom Luftkrieg, sondern warteten mit jede Menge Kriegsexperten und ausgedienten Militärs auf, die über Taktik und Vorgehen im Golf spekulierten. Ergänzt wurden sie dabei von Psychologen, die Saddam Husseins Persönlichkeit analysierten (Caldora 1994: 99). Abgeschaltet wurde trotzdem nicht: Sämtliche Nachrichtensendungen der großen Sender in Deutschland verzeichneten im 1. Quartal 1991 im Schnitt um die 20% mehr Zuschauer, bei den Sondersendungen verdoppelten sich die gemittelten Zuschauerzahlen im Vergleich zum Vorjahr gar auf rund sieben Millionen (vgl. Grimm 1997:215).

Der Virtuelle Krieg

Die besonderen Begleitumstände dieses Golfkriegs haben ihm viele verschiedene Bezeichnungen eingebracht: Ob „Live-Krieg“ (Lütkehaus 1991), „Erster wirklicher Video-Logo-Krieg“ (MacArthur 1993), „Krieg als Videospiel“ (Reeb 1991), „Medienkrieg schlechthin“ (Grewenig 1993) oder „Virtueller Krieg“ (Virilio 1991), immer zielen die Begriffe auf die besondere Rolle der Medien – insbesondere auf die Rolle des Fernsehens. Dank modernster Satellitentechnik und einem gut ausgebauten Korrespondentennetzes war es beim Golfkrieg – zumindest technisch gesehen - erstmals möglich kontinuierlich Live-Bilder eines Krieges zu senden. Will man den Live-Charakter als konstituierendes Merkmal des Mediums Fernsehen auffassen, war der Vietnamkrieg eher ein Film-Krieg oder Kino-Krieg auf Fernesehbildschirmen, denn „die Bearbeitung der Nachrichten aus dem vietnamesischen Dschungel bis zur Ausstrahlung in New York dauerte etwa 30 Stunden im Vergleich zu null Komma null Stunden beim Golfkrieg“ (Katz 1991: 7). Auch die Berichterstattung über die Konflikte in Panama und Grenada war nur sporadisch live, „but the Gulf War marked the debut of live coverage from the combat zone as a routine feature of daily reporting by many television services (Swanson/Smith 1993: 165).

Paul Virilio prägte noch während des Konflikts am Golf den Begriff des “virtuellen Krieges”, der in einer medialen Wirklichkeit stattfände (vgl. Virilio 1993). „Als erster totaler elektronischer Weltkrieg entscheidet sich der Golfkrieg nicht allein an der Frontlinie eines geographischen Horizonts, sondern vor allem auf den Monitoren, den Kontrollbildschirmen und den Fernsehgeräten der ganzen Welt“ (Virilio 1993: 35). Medien berichten nicht nur passiv über den Krieg, sondern durch ihren „Echtzeit-Charakter“ nehmen sie aktiv am Krieg teil. Sie werden zum Instrument für die Kriegsparteien, indem sie Wirklichkeit konstruieren. Und zwar egal ob als Radarmonitor im Kampfjet oder als Nachrichtensendung im Wohnzimmer. Die zunehmende Technisierung der Kriegsführung lässt den realen Feind auf dem Schlachtfeld verschwinden. „Der Kriegsschauplatz“, so Baudrilliard, „ist für die Beteiligten nur auf den Schirmen ihrer Radare und Zielvorrichtungen präsent“ (zit. n. Löffelholz 1993: 55). Die Grenzen zwischen Soldat und Zuschauer sind - dieser These gemäß - fließend, wenn das Echtzeit-Fernsehen über Kriegsereignisse berichtet: „Soldaten der Gegenseite habe ich nie zu Gesicht bekommen. […] Dieser moderne Krieg mit seinen High-Tech-Waffen bringt es mit sich, dass man […] nicht mehr das Gefühl hat, jemanden getötet zu haben. Die Zerstörungen, die wir anrichteten, habe ich nur im Fernsehen gesehen“ (US-Kampfpilot zit. n. Löffelholz 1993: 55).

Das Informationsangebot

Allen voran der 24-Stunden-Nachrichtenkanal CNN, aber auch deutsche Fernsehsender warteten mit etlichen Stunden Sonderberichterstattung auf. In der „heißen Phase“ des Golfkonflikts, mit Beginn des Luftangriffs am 16. Januar 1991, strahlten die Öffentlich-Rechtlichen mit 25 ARD-Brennpunkten und 31 ZDF-Spezials über 30 Stunden Golfkriegs-Berichterstattung aus. Hinzu kommen die regulären Nachrichtenformate sowie das neu eingeführte Frühstücksfernsehen (Ehlers 1991: 334).

Auch die Zeitungen sind dem Golfkonflikt mit erhöhtem Informationsangebot und größeren Auflagen begegnet: Die New York Post stockte ihre Auflage während des Krieges um bis zu 300.000 zusätzliche Exemplare auf. Auch die Washington Post (+180.000), die USA Today (+500.000), die Los Angeles Times (+230.000) und die New York Times (+50.000) steigerten ihre Auflagenzahlen (Kurtz 1992: 274f). Was den Zeitungen an Aktualität und Dramatik im Vergleich zum Live-Krieg auf CNN oder den anderen Sendern fehlte, versuchten sie durch hilfreiche Details und einordnende Perspektiven wett zu machen. Analyst Stephen Hess vom Brooking Institut erklärt den Erfolg der Blätter mit ihrem Mehrwert: „Reporters were giving us their work sheets, their raw data. Newspapers by their very nature give us processed news. They’ve sorted out what’s true and what’s not true“ (Kurtz 1992: 274).

Inwiefern die Medien mit ihrer umfangreichen Kriegsberichterstattung das Informationsbedürfnis der Bevölkerung stillen konnten, darauf versuchen zahlreiche Studien Antwort zu geben. Ahmad bemängelt beispielsweise acht blinde Flecke der Berichterstattung zur Golfkrise in den USA, die der Öffentlichkeit zu einem umfassenden Gesamtbild über die Ereignisse im Nahen Osten fehlen. Darunter fallen neben dem Ausblenden des Entstehungshintergrunds von Husseins Ambitionen und der US-Unterstützung in der Vergangenheit auch die seiner Meinung nach unehrlich geführte und unpräzise Diskussion über nukleare Waffen im Irak (Im Detail vgl. Ahmad 1992). Mit Blick auf das restriktive Poolsystem und die daraus entstandenen Poolberichte, die allen Journalisten gegen Bezahlung zur Verfügung standen, liegt die Vermutung einer international einheitlichen Berichterstattung nahe. Denn aus der subjektiven Perspektive des Rheinischen Merkur Reporters Heimo Schwilk konnte man alles, was in den mit Poolmaterialien gefüllten Aktenordnern der schreibenden Frontfahrer „in oft abenteuerlich hingeschluderten Typoskripten festgehalten war, […] in unzähligen Versionen und mit oft phantasievoller Ausschmückung in den großen und kleinen Blättern dieser Welt lesen“ (Schwilk 1991: 75). Zudem hätten die Poolberichte, die nicht durch die täglichen Briefings in der Hotellobby, sondern bei einem der Ausflüge bei den Truppen in der Wüste entstanden sind, neben einem unerschütterlichen Optimismus und grenzenloser Technikgläubigkeit auch skurrile Neuigkeiten aufgewiesen. „[…] [D]er Benutzer erfuhr auch, dass die weiblichen Soldaten Schwangerschaftstests unterzogen wurden und die Versorgung der Truppe mit Spanholzplatten, Klopapier und Zelten gesichert war. Auch von den Schwierigkeiten der amerikanischen Feldgeistlichen war die Rede, oder von US-Piloten, die sich vor ihren Einsätzen an Pornofilmen delektierten“ (Schwilk 1991: 75).

Die Uniformität der Berichterstattung

Eine wissenschaftliche Untersuchung eines Forscherteams aus Oklahoma hat sich ebenfalls mit den Inhalten der Golfkriegsberichterstattung beschäftigt. Ihre Ausgangsthese beruht auf der Annahme, dass die Berichterstattung zum Golfkrieg in Washington Post (USA), Frankfurter Allgemeine Zeitung (D), Le Monde (F), London Times (GB) und Asahi (J) wegen ihrer gemeinsamen politischen und ökonomischen Ideologien ähnlich ausfällt. Eine inhaltsanalytische Auswertung von 714 Titelseiten-Geschichten aus 42 Tagen, in denen der Golfkrieg stattfand, konnte die erwartete Uniformität der Berichterstattung nicht bestätigen (vgl. Kaid et al. 1997). Als einzige der untersuchten Zeitung hat Le Monde moralische Aspekte des Krieges zum Thema gemacht, auch indem sie die Frage der Notwendigkeit dieses Krieges aufwirft. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ließ den Golfkrieg die Berichterstattung nicht derart dominieren, wie dies in anderen Zeitungen der Fall war. Neben einer klassischen Dokumentation militärischer Aktionen, räumte das Blatt auch immer wieder Platz für Berichte zu diplomatischen Lösungen des Konflikts ein. Einzigartig ist hier auch die Thematisierung der Isreal-Beziehung. Die Washington Post berichtete hauptsächlich über militärische Aktionen und die Heimatfront. Hier fanden sich auch Berichte zu irakischen Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Gleiches gilt für die London Post. In ihrer Berichterstattung verließ sie sich ebenso wie das amerikanische Blatt übermäßig auf offizielle Kommentare und Mitteilungen. Die japanische Zeitung Asahi schließlich fiel durch vergleichsweise kurze Berichte auf. Ferner thematisierte sie die Gefahr möglicher politischer Propaganda seitens der US-Regierung. Die von Bush viel beschworene Uniformität der alliierten Mächte findet sich für Kaid et al. in den untersuchten Zeitungen nicht wieder.

Die Berichterstattung außerhalb der Medienpools

Trotz der offensichtlichen Gefahren, ausdrücklicher Verbote seitens des US-Militärs und mahnender Ereignisse wie der Entführung von CBS-Korrespondent Bob Simons, versuchten eine Hand voll Journalisten während des Krieges das Poolsystem zu umgehen und auf eigene Faust zu berichten. Wenn auch viele Journalisten von den alliierten Truppengefasst und zurück ins Hotel gebracht worden sind, haben es einige wenige Kriegsreporter geschafft ohne Presseoffizier im Nacken eine eigene Story zu verfassen. Einer von diesen „Glücklichen“ war Chris Hedges von der New York Times, der ganze zwei Monate lang unabhängig berichten konnte. Dazu hat er mit Arabern gesprochen, sich in saudischen Familien versteckt, seinen Jeep getarnt und militärische Kleidung angezogen, um nicht aufzufallen (vgl. Thrall 1994: 204). Die Effizienz solcher Alleingänge wird von Wallstreet Journal-Reporter John Fialka angezweifelt: „But a study of the coverage of the war shows that, despite the life-risking chances that many of the unilaterals took, they could operate only at the fringes of this war. For the most part they could not answer the question that kept Americans glued to their television sets and devouring newspapers […]” (zit. n. Thrall 1994: 205).

Die Berichterstattung aus Bagdad

Unbestritten erfolgreich, wenngleich auch kontrovers kritisiert, wird die CNN-Berichterstattung direkt aus Bagdad eingeschätzt. Was Peter Arnett und seine Kollegen, John Holliman und Bernard Shaw, während des Luftkrieges live aus dem Al-Rashid Hotel in Bagdad berichteten, war zweifelsohne exklusiv, da sie als einzige auf eine funktionierende Telefonleitung zurückgreifen konnten. Obwohl die CNN-Berichterstattung in dieser ersten Kriegsnacht eigentlich nur aus Radio via Telefon bestand und die CNN-Reporter im Zuge der Luftangriffe auf Bagdad keinerlei weitere Informationen einholen konnten, waren ihre Augen- und Ohrenberichte aus dem 9. Stock des Hotels ungemein wertvoll für das Publikum (vgl. White 1994: 129). Schließlich wurden Arnett und seine Kollegen dem Anspruch vieler Sender, nicht nur live über, sondern auch live vom Kriegschauplatz aus zu berichten, als einzige gerecht, was CNN nicht zuletzt die Bewunderung der anderen Medien einbrachte: Time nannte CNN einen „undisputed star, which affirmed its credibility and worldwide clout with new authority“ und U.S. News & World Report bezeichnet CNN als Sender „who shows how to cover a war“ (beide zit. n. Zelizer 1992: 72). Allerdings musste sich CNN besonders von der Regierungsseite und der amerikanischen Öffentlichkeit Kritik dafür gefallen lassen, dass Arnett und seine Kollegen unter irakischen Zensurbedingungen vermeintliche Hussein-Propaganda in amerikanische Wohnzimmer sendeten. Denn Berichte über so genannte „casualties“ waren im Weißen Haus nicht gerne gesehen, ließen sie doch Zweifel am konstruirten Image des humanen, sauberen und präzisen Krieges aufkommen (vgl. Thrall 2000: 206). Im Unterschied zu den Beiträgen der Pool-Journalisten, konnten die Kriegsreporter aus Bagdad Bilder und Berichte liefern, die eine bis dato unsichtbare Facette des Krieges zeigten: Zum Beispiel die zivilen Opfer des Amiriya Bunkers, in dem hunderte Frauen und Kinder nach einem Luftangriff der Amerikaner zum Opfer gefallen sind. Die Kehrseite der Medaille war den CNN-Reportern durchaus bewusst: Fügten sich solche Bilder doch nahtlos in die Propagandastrategie der Iraker, die die ausländischen Journalisten mit Kalkül zu solchen Ereignissen führten, um die Kriegsbefürwortung der amerikanische Bevölkerung zu brechen.

Dass der Anspruch der Neutralität der Journalisten in Krisenzeiten häufig nur theoretisches Ideal und eigentlich in der Praxis unerwünscht ist, schreibt Jonathan Alter in der Newsweek vom 25. Februar 1991 wie folgt: „In theory, reporters in democratic societies work independent of propaganda. In practice they are treated during war as simply more pieces of military hardware to be deployed” (zit. n. Aubin 1992: 359). Oder kurz mit den Worten Charlton Hestons im Bezug auf den Neutralitätsanspruch Bernard Shaws: “Who does he think he is – Switzerland?” (zit. n. Aubin 1992: 358).

Die Bilder vom Krieg

Die Medienstrategie gegen den Bildermangel

Poolsystem und Zensur haben die mediale Berichterstattung über den Golfkrieg wie oben geschildert in erheblichem Maße beeinträchtigt und verregelt. Krankte die schreibende Zunft schon am zähfließenden Informationsfluss, so verschärfte sich dieser Missstand für die Fernsehsender durch einen zusätzlichen Mangel an Bildern vom Kriegsgeschehen. Denn trotz Live-Übertragung via Satellit und monatelanger Vorbereitung im Krisengebiet, fanden die eigentlichen Kampfhandlungen zwischen Irakern und US-Amerikanern nicht auf der Mattscheibe im heimischen Wohnzimmer statt. „Tatsache bleibt jedoch, dass wir eigentlich überhaupt keinen Krieg gesehen haben. Was wir sahen, waren Aspekte eines Krieges, von dem gesagt wurde, dass er stattfand“ (Katz 1991: 7). Demnach zeigten die Fernsehstationen in ihren Sondersendungen vor allem Fotos von Korrespondenten, Karten, Abbildungen der Technologien, aber so gut wie nie die Gegenseite. Wirkliche Kampfhandlungen, Tote und Verletzte oder Zerstörungen wurden nur in den seltensten Fällen gesendet und wenn, dann in stilisierter Form: Grün aufblitzendes Abwehrfeuer über Bagdad oder die Zielkamera einer ferngesteuerten Rakete. Der anhaltende Mangel an echten Fernsehbildern ließ die TV-Stationen erfinderisch werden in einem enormen finanziellen Aufwand etablierten sie die (animierte) Grafik im Fernsehen. Die dabei entstandenen Zusatzkosten für Kriegsdesign (Logos, Intros, animierte Grafiken von eingesetztem Kriegsgerät, Karten, etc.) wurde von ABC und CBS auf jeweils 500.000 US-Dollar geschätzt (MacArthur 1993: 108).

Die ungesehenen Bilder

Für Printjournalisten ergab sich das Problem der Visualisierung des Krieges auch. Ähnlich dem Wett-Designen von TV-Grafiken entbrannte zwischen Time und Newsweek ein Visualisierungs-Krieg, der am 4. Februar mit einer ausziehbaren Karte des Kriegsgebiets in der Newsweek eingeleitet worden ist (vgl. MacArthur 1993: 102). Es sollten weitere aufwändig gestaltete Sonderbeilagen in beiden Nachrichtenmagazinen folgen. Wie eine Studie von Griffin/Lee vier Jahre nach dem Golfkrieg herausfand, fiel die Bebilderung der Operation „Desert Storm“ in den drei Reichweiten stärksten Nachrichtenmagazine der USA (Time, Newsweek, U.S. News & World Report) vom 21. Januar 1991 bis zum 18. März 1991 relativ eindimensional aus (vgl. Griffin/Lee 1995). Von insgesamt 1.104 Fotografien zeigten 11% den Kriegsgegner: Saddam Hussein (4%), irakische Waffen (4%) oder Zerstörungen im Irak (3%). Das Gros der Bilder in allen drei Magazinen visualisierte die eigenen Waffensysteme (23%), Truppen (14%) oder politische/militärische Führungskräfte (12%). Das eigentliche Thema Krieg, das sich wohl am realistischsten in Kampfhandlungen ausdrückt, bekamen die Leser nur in 3% der Fälle zu Gesicht. Folge dieser Visualisierungsstrategie sind vier Mythen, die sich durch „ungesehene Bilder“ in den Köpfen der Leser festigen konnten:

  • Die unverwundbaren Amerikaner (Keine Bilder von alliierten Opfern)
  • Die uneingeschränkte Unterstützung (Keine Bilder von demonstrierenden Kriegsgegnern in den Koalitionsländern)
  • Das leere Saudiarabien (Trotz 500.000 stationierter Soldaten in Saudi-Arabien, gibt es nur ein Bild von der Zivilbevölkerung)
  • Der unsichtbare Feind (Nur fünf Bilder von Irakischen Truppen) (Griffin/Lee 1995: 820)

Mit der Visualisierungsproblematik gingen die Journalisten unterschiedlich um. Während einige Moderatoren und Korrespondenten den Zuschauer wiederholt auf die Unsicherheit der Informationen und den Mangel an Bildern hinwiesen und sich sogar dafür entschuldigten (vgl. Bresser 1991: 71), hatten andere Journalisten wie zum Beispiel Steve Vardy von den CBS Evening News eine andere Begründung für die Eindimensionalität der Bilder: “Wenn ein Zuschauer nicht vollends hirntot ist, muß er wissen, daß im Krieg gestorben wird. Es ist nicht unsere Aufgabe, das zu zeigen. Mich persönlich würde es stören, wenn sie das zeigen würden“ (zit. n. MacArthur 1993:94).

Die Subjektivität der Medien

Die Medien als Kriegsbefürworter

Studien zur Medienberichterstattung über den Golfkrieg konzentrieren sich nicht nur auf den Umfang und die Gegenstände der Berichterstattung, sondern auch der journalistische Wert der Neutralität wurde hinreichend untersucht. Haben sich die Medien als Waffe zur Öffentlichkeitsmobilisierung instrumentalisieren lassen oder ein kritisches Gegengewicht zu Regierung und Militär gebildet? Welche Rolle haben die Medien während der Krise und dann später im Krieg gespielt? Ein ganz so negatives Bild von den Medien, wie die überspitze Einschätzung von Zeit-Journalist Fritz J. Raddatz, dass „verglichen mit der Nachrichtenpolitik im Golfkrieg […] die Nazi-Wochenschau ein Dokumentarfilm“ gewesen sei (zit. n. Weischenberg 1993: 68), zeichnen folgende Studien nicht.

Aber Versuche, die Medien für die eigenen Kriegsziele zu instrumentalisieren, gab es genug. Auf beiden Seiten sollten die Medien dafür eingesetzt werden, die Öffentliche Meinung zu manipulieren und das Publikum für die eigenen Zwecke zu gewinnen. Dies gilt insbesondere für die Krisenzeit vor Kriegsausbruch, „[where] coverage, […] featured the leaders of the belligerent countries exchanging messages and orchestrating coverage on a new and larger scale” (Swanson/Smith 1993: 166). Dieser mediale Schlagabtausch zwischen Bush und Hussein hat den Krieg also schon vor den eigentlichen Kampfhandlungen am Golf auf die Fernsehschirme gebracht. Dass sich die Medien dabei als Kriegstreiber engagierten, sieht Elihu Katz als unbewiesen. „Eher war das Gegenteil der Fall. Die Medien beteiligten sich an der vorsichtigen Begutachtung der Argumente des Präsidenten, und für sie stand das menschliche Leid […] im Vordergrund“ (Katz 1991: 6). Konträr dazu beurteilt Dobkin die Berichterstattung von CNN’s Headline News und ABC’s World News Tonight während der Golfkrise. Bei einer vergleichenden Studie zum Framing der beiden Nachrichtensendungen bewertet er eine durch Romantisierung und Deadline-Dramatik geprägte Berichterstattung für kriegsvorbereitend: „Before the first Allied air strikes, television news had established a structural frame that fit the emerging needs of the Pentagon and White House“ (Dobkin 1993: 120). „Paradebeispiel für Kriegsbefürwortung in den Medien war die Newsweek-ausgabe vom 26. November“ (MacArthur 1993: 110) unter dem Titel ‚Sollten wir kämpfen? Amerikaner nehmen Stellung.’ hatte US-Präsident George Bush in seinem Exklusivbeitrag: ‚Warum wir Saddams Würgegriff sprengen müssen’ die Gelegenheit seine Kriegsmotivation direkt und ohne journalistische Filterung an die amerikanische Bevölkerung zu vermitteln.

Die Kriegsgegner in den Medien

Ähnlich entdeckt Douglas Kellner in seinen Studien zur Kriegsberichterstattung einen Trend zur wachsenden Kriegsunterstützung der Medien. Während über Anti-Kriegs-Demonstrationen noch zu Beginn des Luftkrieges vom amerikanischen Fernsehen nicht ohne Affinität berichtet worden ist, was CBS-Beiträge vom 20. Januar ’91 zu Friedensmärschen in Washington und San Francisco beispielsweise belegen, ebbte die Bereitschaft der Medien über anhaltende Demonstrationen zu berichten im Verlaufe des Krieges ab. „Thus, the occasional antiwar voice heard during the first two weeks of the war was excluded from the mainstream media which turned to publicize the new patriotism, love of the flag, and prowar demonstrations” (Kellner 1992: 252). Den Grund dafür sieht Kellner in der Profitorientierung der Medien. Als das Meinungsbild zu Anfang des Krieges noch geteilt war, bedienten die Medien beide Hälften der Bevölkerung mit ausgewogener Berichterstattung. Nachdem Umfrage-Ergebnisse Präsident Bush allerdings eine breitere Unterstützung bescheinigten, so Kellner, förderten die Medien diesen Trend und berichteten seltener über Demonstrationen. Eine Studie von FAIR (Fairness and Accuracy In Reporting) ermittelte für den Zeitraum vom 17. Januar bis zum 30. Januar 1991, dass lediglich 1,5% aller Quellen der TV-Networks zum Golfkrieg Anti-Kriegs-Demonstranten waren. Es kam nur ein Verantwortlicher einer Friedensbewegung zu Wort, aber im Gegensatz dazu äußerten sich sieben Super Bowl Spieler zum Golfkrieg. Den überwiegenden Anteil (mehr als die Hälfte aller Quellen) der Interviewpartner bildeten Angehörige der US-Regierung oder deren Verbündete (vgl. Kellner 1992: 253). Für die US-Medien stellte dies kein Problem dar. So kommentiert NBC-Korrespondent Dennis Murphy am 27. Januar 1991 einen Bericht voller ziviler „casualities“ mit folgenden Worten: „Until we get some Western reporters and photographers in there to vouch for it, I think we’ll have to call it propaganda“ (Kellner 1992: 267).

Die Sprache in den Medien

Aber auch indirekt haben die Medien ihre neutrale Beobachterrolle all zu häufig verlassen und sich sprachlich mit den kämpfenden Truppen identifiziert. Viele Korrespondenten, in Tarnanzügen gekleidet und die Gasmaske griffbereit, berichteten über die Geschehnisse des Golfkrieges in „Wir“-Form wie CBS-Korrespondent Walter Cronkite: „Wir haben eine ihrer Scuds vom Himmel geholt“ (MacArthur 1993: 126). Ebenso parteiisch fiel die Bewertung der jeweils eingesetzten Waffensysteme im Golfkrieg aus: ABC-Moderator Jennings sprach am 21. Januar „mit unverhüllter Bewunderung von der ‚Brillanz der lasergesteuerten Bomben’, die gerade den Irak in Schutt und Asche legten. Tags darauf bezeichnete Anthony Cordesman die irakische Scud-Rakete Jennings gegenüber als‚ einen grauenhaften Mordmechanismus’“ (MacArthur 1993: 126). Hinzu kommt, dass die Journalisten den Sprachjargon der Militärs aus den Pressekonferenzen und –mitteilungen vielfach übernahmen: So wurden nun auch in den Medien „Ziele bedient“ statt bombardiert und aus Menschen wurden „weiche Ziele“ (vgl. Löffelholz 1993: 54). Dupiert wird diese sprachliche Verzerrung der Realität lediglich von der Nationalkonferenz der US-amerikanischen Englischlehrer, die den US-Medien dafür den Doppelsprech-Preis verliehen haben.


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