Probleme journalistischer Krisenberichterstattung am Beispiel der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl

Aus BucherWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Heutzutage sind die Umweltprobleme immer wichtiger geworden. Das Thema wird weltweit mit großer Aufmerksamkeit betrachtet. Die Auswirkungen und Folgen eines Umweltproblems kann man mit der Devise „Global denken- lokal handeln“ besser ausdrücken. Wegen der Globalisierung wird das Umweltproblem nicht als ein Problem für ein bestimmtes Gebiet oder Land betrachtet, sondern die Probleme könnten auch Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Am 26.04.1986 ist der bisher schwerste Reaktorunfall in der damaligen Sowjet-Union (heute Ukraine) passiert, der oft als der Super-GAU bezeichnet wurde. (GAU. Abkürzung für größter anzunehmender Unfall, schwere Störung in einem Kernreaktor. Faktum Lexikon Institut (Hrg.) 2000: 295.)Vor dem Reaktorunfall in Tschernobyl gehören alles Leid, alle Not, alle Gewalt noch zu der Kategorie der "anderen", die Katastrophe haben immer eine reale und symbolische Grenzen. Man kann sich manchmal als Nichtbetroffenen zurückziehen. "Dies alles gibt es weiter und gibt es seit Tschernobyl nicht mehr. Diese Tschernobyl-Katastrophe gibt das Ende der ‚anderen‘". (Vgl. Beck 1986: 7.)Die Schaden der Umweltkatastrophe sind in einigermaßen nicht mehr begrenzbar. Dazu gibt es viele Beispiele im Umweltbereich, um dieses Argument zu beweisen, dass es sich bei Umweltproblemen nicht nur um ein Gebiet handeln, sondern sie besitzen eine weltweite Auswirkung. Die Ölkrise in dem arabischen Gebiet, SARS in Asien, Vogelgrippe, die nicht nur ein Gebiet als eine Krise oder Katastrophe betrachtet wurden, sondern weltweite negative Auswirkungen auf wirtschaftliche, politischen und soziale Bereichen hatten. Ziel dieser Arbeit ist es, die Frage "welche Probleme gibt es in der Umweltberichterstattung über Kernenergie?" zu untersuchen und am Ende die Probleme zusammenzufassen. In dem zweiten Kapitel werden auch Risikobegriffe, Risikogesellschaft und Risikojournalismus erklärt. In diesem Teil werden auch Selektions- und Qualitätskriterien des Risikojournalismus, Sensationalismus und Krisenbeichterstattung behandelt. Im nächsten Kapitel handelt es sich um Probleme der journalistischen Berichterstattung im Umweltbereich. Das sind die allgemeine Erklärung, danach werden Probleme der Berichterstattung über Kernenergie speziell dargestellt. Nach der allgemeinen Erklärung kommen die konkrete Berichterstattung über den Reaktorunfall in Tschernobyl als Beispiel. Die Probleme der Berichterstattung werden analysiert. Die Berichterstattung über den GAU im Jahr 1986 und 2006 werden verglichen. Anschließend werden die Probleme der Krisenberichterstattung zusammengefasst.

Der Risikobegriff und der Risikojournalismus

Heute wird das Wort "Risiko" häufig verwendet, in der Zeitung, im Fernsehen oder im Radio, so wie bei einem Thema über Wirtschaft auch im Alltagsleben wird das Wort oft ausgesprochen. Unsere Gesellschaft wird auch oft als eine Risikogesellschaft bezeichnet. Was soll man unter dem Wort Risiko verstehen? Welche Eigenschaften hat eine Risikogesellschaft? Im folgenden Abschnitt werden die zwei Begriffe und das Thema "Risikojournalismus" ausführlich erklärt.

Risiko und Risikogesellschaft

Das Wort "Risiko" besitzt seine Bedeutung in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen, zum Beispiel in der mathematisch inspirierten Entscheidungstheorie. Diese Theorie spielt auch eine wesentliche Rolle in der Versicherungswirtschaft. Heutzutage werden der Risikobegriff auch in wirtschaftlichen, rechtlichen, technischen, soziologischen und psychologischen Bereichen oft verwendet. (Vgl. Bechmann 1993: 239-240.)In dieser Arbeit wird das Wort Risiko als gesellschaftstheoretischer Begriff angewendet. Nach der Definition von Beck bedeutet der Begriff Folgendes: "Risiko verbindet sich mit Gefahren moderner Technologie, die die planetarische Zivilisation bedrohen." (Vgl. Beck 1986: 254 ff.) Zu diesem Begriff gibt es auch andere Erklärungen wie Z. B. die von Heilmann, die "Risiko" als "Chance erweiterter Naturbeherrschung" bezeichnet und gerade aus diesem Grund die Errungenschaften moderner Technik feiert. In Krügers Definition setzt den "Akzent auf Sicherheit". Er sieht im Risiko eine Herausforderung, Sicherheit als machbar und herstellbar zu erweisen". (Vgl. Bechmann 1993: 239.) Der Begriff von Beck wurde zwar einseitig kommentiert, weil es außer der Gefahr moderner Technologie auch andere Ursachen gibt, die das Leben einer einzelnen Person und die Gesellschaft bedrohen, zum Beispiel Naturkatastrophen. Aber der Begriff wird in dieser Arbeit auch als ein Standardbegriff angewendet. Wie es oben schon verdeutlicht wurde, gibt es Risiken in unterschiedlichen Bereichen wie ökonomische, rechtliche, politische, soziale Risiken, wie zum Beispiel Verbrechen (Gewalt), Rauchen, Gesundheit, Ernährung oder Umwelt. In dieser Arbeit werden Probleme journalistische Kriseberichterstattung über Kernenergie analysiert, also werden mit dem Begriff Risiko die Gefahren moderner Technologie anhand konkreter Fälle in Medienbereich gemeint. Die Risiken, die von der Kernenergie verursacht werden, konkret gesagt, sind die Bedrohung der Radioaktivität, entsprechend gehören Schaden und Verschmutzungen der Luft, Wasser und der Nahrungsmitteln auch dazu. Die langfristigen negative Folgen für das ökologische System (Mensch, Tier, Pflanze) dürfen auch nicht übersehen werden. Warum nennt man unsere Gesellschaft "Risikogesellschaft"? Welche Eigenschaften besitzt eine Risikogesellschaft? "Unter Risikogesellschaft verstehen wir daher ein soziales System, in dem – qua Beobachtung – über alle möglichen Risiken kommuniziert wird: Unfälle, Krisen und Katastrophen verunsichern oft deshalb fundamental, [...] wobei zwar der Eindruck unmittelbarer existentieller Gefährdung selten länger anhält, aber mit zunehmender Häufigkeit verunsichernd wirkt." (Görke 1999: 17.) Ein Charakteristikum moderner ist: Die Globalität der Schäden. (Vgl. Görke 1999: 17.) Eine genaue Erklärung ist: die Schäden, die unabhängig von Form, Art und Erscheinungsort auftreten, gelten nicht nur als Gefahren oder Krisen in einem bestimmten Gebiet, sondern sie haben oft globale Folgen.

Selektions- und Qualitätskriterien des Risikojournalismus

Wir leben in der Informationsgesellschaft, deswegen spielen Medien in unserer Gesellschaft eine wesentliche Rolle. Die wichtigen Geschehen auf der Welt werden von Medien berichtet und die Menschen auf aller Welt schnell informiert. Die Bedeutung der Massenmedien bzw. des Journalismus ist wichtig für unser Alltagsleben und auch für die wissenschaftliche Untersuchung. Heutzutage kann man sich schwer vorstellen, dass man ohne Medien lebt. Die Massenmedien beeinflussen auch stark die öffentliche Meinung. Die Risikothemen oder die Krisen sind auch die interessante und beliebige Themen für Journalisten. Die Risikowahrnehmung ist noch nicht alles für die Berichterstattung, sondern sie besitzt auch andere Bedeutungen. "Damit es zur Bildung einer lokalen, nationalen oder gar internationalen Risikoagenda kommen kann, müssen Risikowahrnehmungen auch kommuniziert werden, um dann als Risikokommunikation möglicherweise neue Beobachtungen auszulösen." (Görke 1999: 63) Bevor die Selektions- und Qualitätskriterien des Risikojournalismus erläutet werden, werden die Aufgaben der Massenmedien nach der Theorie von Görke hier zusammengefasst: „Realität (zeit)punktgenau abzubilden und gleichsam widerzuspiegeln.“ (Görke 1999: 65) Wenn man über die Funktionen des Journalismus redet, trägt der Risikojournalismus nämlich die Abbildungsfunktion, eine Informationsfunktion, eine Bildungs- und Aufklärungsfunktion, eine Akzeptanzfunktion und eine Demokratiefunktion der Massenmeiden bzw. des Journalismus. (Vgl. Görke 1999: 64) Der Risikojournalismus befasst sich deshalb mit den Risiken der Gesellschaft und versucht die Öffentlichkeit auf diese aufmerksam zu machen. Entsprechend sollte die Auswahl der Themen statt willkürlich relevant sein. Der Risikojournalismus trägt auch die Aufgabe, dass der Journalismus über die Risiken aufklärt. Es gibt begründbare Regeln, wie die Risikothemen ausgewählt und berichtet werden. So gibt es ein spezielles Gebiet in der Journalismusforschung, das sich mit Krisen- und Risikoberichterstattung beschäftigt. Für Risikojournalismus gibt es Selektions- und Qualitätskriterien, durch die eine gute journalistische Risikodarstellung ausgewählt wird. Die wichtigsten Kriterien werden nach Görke im nächsten Abschnitt vorgestellt: (Görke 1999: 79-91)

  • Relevanz

Für die Aufgabe der Massenmedien und die Funktionen des Risikojournalismus ist ein Punkt sehr wichtig: ob die Realität oder Wahrheit genau abgebildet wird. Dieser Punkt entscheidet über die Qualität der Risikodarstellung, ob die Risiken von der Bevölkerung wahrgenommen werden können. In der Berichterstattung gibt es die Unterschiede zwischen der Medienwirklichkeit und der Risikowirklichkeit, konkret gesagt, ob die Wahrnehmungen der Bevölkerung der Risikowirklichkeit entspricht. Es kommt oft vor, dass es große Unterschiede zwischen der Medienwirklichkeit und der Wahrheit gibt.

  • Objektivität

Das Weltgeschehen soll objektiv widergespiegelt werden. Das ist Voraussetzung einer Realitätsdarstellung der Berichterstattung. Jede Sache hat zwei Seiten, quasi die negative Seite und die positive Seite. Im Risikojournalismus soll die negative und positive Seite der Risikoberichterstattungen gleichermaßen betont, obwohl nur eine Seite in der Wirklichkeit oft richtig dargestellt wird. Die Berichte, sollen immer genau recherchiert und ohne subjektive Einflüsse dargestellt werden. Sie sind unabhängig von ihrer Darstellungsform, z. B. Beiträge für ein Radio, eine Fernsehsendung, in der Papierform oder im Internet.

  • Zeilichkeit

In diesem Punkt ist das Schlüsselwort "Aktualität" wichtig. Die Kontinuierlichkeit eines Geschehens im Zeitablauf zu schildern ist wesentlicher Einzelereignissen abzufolgen. In der Berichterstattung über den Reaktorunfall von Tschernobyl merkt man die Zeitverschiebung der Berichte (Drei Tage später wurde man erst informiert.), entsprechend wurde das als ein großes Problem in der Kriseberichterstattung betrachtet. Es gibt auch Kriterien, die die Qualität einer Berichterstattung stark beeinflussen, nämlich die Merkmale, die eine gute journalistische Risikodarstellung ausmachen. Dazu zählen fünf Punkte: Genauigkeit, Sachlichkeit, Ausgewogenheit, Kulturelle Unvoreingenommenheit. (Vgl. Görke 1999: 79-92) Außerdem werden die Selektionskriterien des Publikums und Kollegenorientierung auch berücksichtiget. Im Kapitel drei werden die Probleme journalistischer Berichterstattung im Umweltbereich auch genauer dargestellt, die mit oben genannten Kriterien eng verbunden sind. Solche Kriterien sind nicht schwer zu verstehen, im Teil der Probleme der journalistischen Berichterstattungen werden sie wieder behandelt, deswegen werden sie hier nicht ausführlich erklärt.

„Sensationalismus“ und Krisenberichterstattung

Der Sensationalismus ist eng verbunden mit der Sachlichkeit einer Berichterstattung, aber er geht in die Gegenrichtung der Sachlichkeit. Wie es im Görkes Text heißt: Die Versuche, Sensationalismus der Massenmedien zu definieren, sind beschränkt. Es ist unabhängig davon, ob die Definitionen auf Deutsch oder auf Englisch sind. Mit dem Zitat von Randow lässt es sich besser verstehen: "Wissenschaft interessiert die meisten Leute nicht –– es sei denn, sie wird als Sensation aufgemacht oder als Popanz hingestellt, als kurioses Schmankerl oder als Gefahr für Mensch und Natur." (Görke 1999: Zitiert nach Randow 1992: 12 f.) Wenn eine Definition so schwer zu finden ist, ist es stattdessen sinnvoll, die Kriterien einer sensationalistischen Berichterstattung von Glynn und Tims zu zitieren: "1) An obvious overstatement of fact; 2) Placed emphasis on unique aspects of the situation; 3) Introduced bias dased on value judgments; 4) Associates the subject of the story with an irrelevant issue; 5) Treated the story in a frivolous manner." (Görke 1999: Zitiert nach Glynn / Tims 1982: 127) Die Berichterstattung, die als sensationalistisch beschrieben wird, besitzen als ein Merkmal die Übertriebenheit der Zahlen von Toten oder Verletzten. Sensationalismus ist zweifellos ein Schlüsselwort in der Krisenberichterstattung oder in der Risikoberichterstattungen. Viele Berichterstattung versuchen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich mit vielen sensationalistischen Elementen zu ziehen. Als Informationsvermittler versuchen sie auch die öffentliche Meinung zu beeinflussen. In der Krisenberichterstattung ist das Problem sehr auffällig, weil die Berichterstattung über Risiken oder Krisen im Vergleich zu normalen Weltgeschehen eigene Besonderheit besitzen. Im Vergleich zu den Themen der politischen Auseinandersetzung, der Berichterstattung über Wirtschaftsentwicklung und den Arbeitsmarkt sind die Krisenberichterstattungen wie Umweltberichterstattungen schwierig zu berichten. Vor allem ist es schwer für Journalisten, einen Zugang zu den Informationen zu finden. Außerdem, falls eine Gebiet oder ein Land in der Krise sind, sind die Berichtgelegenheiten oft von politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Bedingungen abhängig. Manchmal gibt es einfach Verkehrsbehinderungen, z.B. falls es einen regionalen Krieg gibt, oder wegen einer Naturkatastrophe, wodurch ein bestimmtes Gebiet in die Krise geraten ist. Im folgenden Teil werden die Probleme journalistischer Berichterstattung genaue erläutert. In Wirklichkeit gibt es einen inneren Zusammenhang zwischen Umweltprobleme und Krisenberichterstattung.

Die Probleme journalistischer Berichterstattung im Umweltbereich

Im folgenden Abschnitt geht es darum, dass viele Probleme bei der Berichterstattung im Umweltbereich auftauchen. Wenn die Berichterstattung das Thema "Umweltprobleme oder Katastrophe" angeht, sind die Probleme noch auffälliger. In diesem Teil wird das Thema "Probleme der Umweltberichterstattung" in den Mittelpunkt gesetzt.

Die elf Probleme

Die Forschungsergebnisse stammen von Werner A. Meier, der mit 52 Studien intensiv beschäftigt war. Zuerst kommt der Hintergrund der Studien: Um diese Ergebnisse zu bekommen, wurden 52 Studien mittels 29 Variablen inhaltsanalytisch beschrieben und untersucht. Alles wurde in systematischer Weise, also sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht durchgeführt. (Vgl. Meier 1993: 222) Meier erklärt in seinem Text, dass diese Variablen in drei Gruppen eingeteilt werden können. So werden die unterschiedlichen handlungsleitenden Forschungsinteressen behandelt. Bei der ersten Gruppe handelt es sich um die Beschreibung des Samples, und die Identifizierung des Forschungsumfeldes. Sie umfasst die folgenden Variablen: Autorin / Autor, Identifikation der Analyse-Einheit, Jahr der Veröffentlichung, Fachbereich, Institution, Kontext, Art der Veröffentlichung, Zeitschrift / Buch, Umfang, Sprache. In der zweiten Gruppe von Variablen geht um das wissenschaftliche Umfeld: Untersuchungsgegenstand bezüglich Medien und Thema, zeitliche Länge der Untersuchung und deren Begründung, Anlass für die Studie, Ziel der Untersuchung, Untersuchungsmethode und – Anlage, Forschungsperspektive, Annahmen und Hypothesen, Beschreibungs- und Erklärungszusammenhang, Charakterisierung des Ereignisses, Definition von Risiko, „Messlatte“, etc. Die dritte Gruppe von Variablen ermöglicht die Auseinandersetzung mit einer Vielzahl und Vielfalt von Ergebnissen: Zusammenfassung, Einschätzung und Interpretation der Ergebnisse sowie Folgerungen und Ratschläge für weiterführende Studien. Ins Sample aufgenommen sind Studien, die nach dem 1. Januar 1980 (bis 1990) veröffentlicht wurden und folgende Kriterien erfüllten: a) empirisch analytische und sozialwissenschaftlich ausgerichtete Forschungsarbeit, b) ein inhaltsanalytisches Instrumentarium, c) Thematisierung von Umweltrisiken mit Ausnahmen von Gesundheitsinformation und Zivilisationskrankheiten. (Vgl. Meier 1993: 215-219) Die Genauigkeit der Berichterstattung wird in diesem Forschungsprojekt besonders betrachtet. Die Artikel, die in dieser Studien behandelt wurden, kamen aus Fachzeitschriften. Die meisten des Samples wurden in englischsprachigem Raum durchgeführt. Im Vergleich dazu wurden nur vier Artikel aus deutschsprachigen Zeitschriften ins Sample aufgenommen. (Sie sind nämlich "Frankfurt allgemeine Zeitung", "Süddeutsche Zeitung", "Die Zeit" und "Neuer Zürcher Zeitung". Als die wichtigsten deutschsprachigen Zeitschriften wurden "Der Spiegel" und der "Stern" untersucht. Qualitätszeitungen und Fernsehnachrichten wurden als Leitmedien betrachtet und am häufigsten untersucht. (Vgl. Meier 1993: 219-222)

  • Quellenprobleme

Auf dem ersten Platz findet man die Quellenprobleme. Das Problem ist nicht eine Besonderheit in der Berichterstattung im Umweltbereich, sondern es kommt in aller Berichterstattungen häufig vor. Für Journalisten ist die Quellenfrage auch ein schwieriges Thema. Das Probleme in der Umweltberichterstattung ist sehr auffällig, weil das eng mit der Besonderheit der Berichterstattung im Umweltbereich zusammenhängt: Vorzugsweise werden sie von Journalisten Vertreter von staatlichen Behörden und Verwaltungen als Informationsquellen benutzt respektive zitiert. Meistens sind es Vertreter der jeweiligen obersten Führungsebene, nämlich verantwortliche Autoritäten und eben weniger zuständige Experten. Im Vergleich dazu werden Repräsentanten der Privatwirtschaft oder Wissenschaftlerinnen weniger oft direkt oder indirekt zitiert. Solche Berichterstattungen besitzen die folgenden Charakteristika: die Information aus der "ex officio-Perspektive", aus der Sicht der leitenden und verantwortlichen Personen der operativen Führung vor Ort. Es kommt auch häufig vor, dass Regierungen das Informationsmanagement zentralisieren und kontrollieren. Aus rechercheökonomischen Gründen suchen die Journalisten die einfachsten Zugänge und manchmal verzichten sie auf eine Bestätigung offizieller Informationen durch unabhängige Experten. Das sind die Gründe, warum die Quelleprobleme so häufig vorkommen. In der Berichterstattung über den Reaktorunfall in Tschernobyl ist der Punkt sehr auffällig, die detaillierte Analyse wird im Kapitel Vier behandelt.

  • Kontextprobleme

Nach den journalistischen Regeln sollen Ereignisse und Risiken unabhängig von folgenden Punkten journalistisch bearbeitet und thematisiert werden: a) wissenschaftlichen Konzepten, b) vom gegenwärtigen Erkenntnisstand, c) vom Status des dominierenden wissenschaftlichen Diskurses.

Ein problematischer Punkt ist: Manchmal kommt es vor, dass die Ereignisse und Phänomene sogar unabhängig von der Wirklichkeit der Ereignisse thematisiert werden. d) Ereignisse und Risiken werden unanhängig von deren Relevanz für den Alltag der Menschen thematisiert. Problematisch ist u.a. die journalistische Konstruktion von Realität durch Fehlleistungen in Form von Ungenauigkeiten bei der Wiedergabe wissenschaftlicher Erkenntnisse, nämlich in Form einer inadäquaten Gesamtbeurteilung. Entsprechend werden nicht nur einzelne journalistische Fehlleistungen von Forschern kritisiert, sondern die gesamte vorherrschende journalistische Ereignis-Nachrichten-Verarbeitungspraxis. Besonders wenn die Rezipienten aufgrund dieser Informationen von Journalisten Entscheidungen über ihr Schicksal treffen müssen. Wie oben schon angedeutet, die Punkte „Relevanz“ und „Genauigkeit“ sind die wichtigste Punkte in der Selektionskriterien, falls die Berichterstattungen von der Wirklichkeit der Ereignisse thematisiert werden, ist es dann sehr problematisch bei der Glaubwürdigkeit.

  • Selektionsprobleme

Da die Berichterstattung nur über einen kleinen Moment andauert, führt die Verkürzung der Berichterstattungen dazu, dass Zusammenhänge verschiedenster Art kaum mehr beachtet werden. Und noch ein Punkt dazu ist: Die Dramen, dramatische Ereignisse (Menschenleben, Schaden, Einheit von Ort und Zeit) werden insbesondere identifiziert. Auch als ein Selektionsproblem kann die Tatsache gelten, dass "Journalistische Zeithorizonte" und "Nachrichtenwerte" eine entscheidende Rolle bei journalistischer Ereignis- und Themenwahl spielen.

  • Komplexitätsprobleme

Diese Folge aus oben genannten Problemen. Es geht hauptsächlich um fragwürdige und unzulässige Reduktion von komplexen Zusammenhängen auf einige wenige, eingängige Fakten, Bilder und Symbole in journalistischen Berichterstattung. Tiefer liegende Ursachen und /oder Folgen des Ereignisses werden in der journalistische Berichterstattungen ausgeblendet.

  • Umsetzungsprobleme und Einordnungsprobleme

Die Berichterstattung und Kommentierung herausragender Ereignisse die haben die Tendenz, solche Vorkommnisse in vergleichsweise undifferenzierter Weltordnungs-Schemata einzuordnen.

  • Darstellungsprobleme

Ein Grund für dieses Problem ist, dass eine Inkongruenz zwischen der Größe des Umweltrisikos und der erhaltenden Aufmerksamkeit der Medien besteht. Das wird in den Selektionspraktiken des Journalismus gesehen.

  • Kompetenzprobleme

Fachliche Inkompetenz, die unzureichende journalistische, auch die fehlende naturwissenschaftlich- technische Ausbildung verhindern die angemessene Wahrnehmung der Umweltprobleme und Umweltrisiken.

  • Organisationsprobleme

Mangelnde redaktionelle Informations-Infrastruktur, sowie mangelnde redaktionelle Eigenkomplexität.

  • Folgenprobleme

Die journalistische Berichterstattung kann fallweise allgemeine Wirkungen entfalten, ohne weiter deren Wirkungsweise auszudifferenzieren.

  • Abhängigkeitsprobleme

Die Journalistische Berichterstattung wird abhängig, das heißt, sie sind abhängig von ihrer Inszenierung auf der „politischen Bühne“ und vom Grad ihrer gesellschaftlichen Tabuisierung thematisiert.

  • Ausgewogenheitsprobleme

wird als die Vermittlung der wichtigsten widersprüchlichen Aspekte und Ansichten verstanden, oder ereignisadäquate und daher unterschiedlichen Reportagenstile eingefordert, oder der gleichgewichtige Gebrauch von Quellen und Pro- und Contra- Argumenten verlangt.

Probleme der Berichterstattung über Kernenergie

In Berichterstattung Über Kernenergie tauchen sicherlich die elf oben erwähnten Probleme auch auf. Aber die Berichterstattung über Kernenergie besitzt auch eine Besonderheit.

  • Quelleprobleme, Darstellungsprobleme, Kompetenzprobleme und Glaubwürdigkeit der Berichterstattungen

Das Quelleproblem und das Problem des Fachwissens des Journalisten sind sehr auffällig. Bei der Berichterstattungen sind die Quelleprobleme das größte Problem. Normalerweise sind der Zugang der Reaktorunfällen oder überhaupt die Informationen zu dem Atomwerk schwer zugänglich. Dann kommt auch die Zentralisierung und Kontrolle der Regierungen, das Informationsmanagement, dazu. Deshalb ist die Berichterstattung besonders schwer. Entsprechend kommen die andere Probleme auch vor Kontextproblem, Selektionsproblem und eine Reihe anderer Probleme. Es ist nicht so realistisch, dass die Journalisten das Fachwissen über Kernenergie durch die Ausbildung besitzen. Falls die anderen Bedingungen und Elemente auch auftauchen, z. B. die Ideologie, politische Situation in einem Land usw., ist das Recherchieren eines glaubwürdigen Berichts noch schwieriger. Falls es zu einer Meldung kommt, bleibt es noch eine offene Frage, ob diese Meldung relevant ist. Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen den vier großen Probleme und der Glaubwürdigkeit der Berichterstattungen. Das heißt, falls solche Probleme nicht bei einer Berichterstattung auftauchen, die Qualität der Berichterstattung wird gesichert. Wie oben erwährt, sind die Genauigkeit, Sachlichkeit, Ausgewogenheit und kulturelle Unvoreingenommenheit als die Qualitätskriterien spielen für die Glaubwürdigkeit eine entschiedene Rolle.

  • Die negative Bewertung der Kernenergie in der journalistischen Berichterstattungen

Im nächsten Abschnitt wird das Thema „negative Bewertung der Kernenergie in der journalistischen Berichterstattungen“ behandelt. Das waren Forschungsergebnisse von Kepplinger: "Zu den Gewissheiten gehört auch die Überzeugung, dass die Umbewertung der Kernenergie in der der Berichterstattung der Massenmedien eine Folge des geschärften Problembewusstseins der Bevölkerung ist, deren Ängste sie spiegelt. Nach dieser Vorstellung sind die Ängste der Bevölkerung nicht eine Wirkung, sondern eine Ursache der Berichterstattung." (Kepplinger: 1988: 659) In dieser Arbeit wird der Zusammenhang der öffentlichen Meinung und die Berichterstattung der Massenmedien nicht als Schwerpunkt betrachtet. Als ein Problem wird die Berichterstattung über Kernenergie oft negativ bewertet. Der Hintergrund der Studien ist folgender: eine qualitative Inhaltsanalyse der Darstellung der Kernenergie von 1965 bis 1986 wurde von ihm durchgeführt. Die Berichterstattung in der Presse wurde analysiert. Zum Beispiel die "Frankfurter Rundschau", die "Süddeutschen Zeitung", die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", "die Welt", "die Zeit", "der Spiegel" und "der Stern". In der Untersuchung wurden die repräsentativen Stichproben herausgesucht, nämlich wurden pro Blatt und Jahr 13 Ausgaben aufgenommen. (Kepplinger 1988: 658) Das Forschungsergebnis zeigt, dass sich die negative Beurteilung in Teilen des Journalismus längst durchgesetzt hat. (Vgl. Kepplinger 1988: 664) Das Forschungsergebnis zeigt, dass sich die negative Beurteilung in Teilen des Journalismus längst durchgesetzt hat. In Wirklichkeit waren viele Berichterstattung vor diesem Reaktorunfall in Tschernobyl schon relativ negativ. Die Nutzung der Kernenergie wurde in den Massenmedien richtig diskutiert, aber der Schaden der Kernkraft wurde immer häufiger dargestellt als die positiven Seiten. Dieses Ergebnis wurde mit folgender Abbildung veranschaulicht: (Kepplinger 1988: 665) Datei:Beispiel.jpg Abb. 1: Intensität und Tendenz der Thematisierung der Kernenergie im Zeitverlauf Kepplinger hat mit diesem Abbildung folgendes gezeigt: mit der Zeit wurde die Kernkraft immer mehr thematisiert (Diese helle Linie, die nach oben zeigt.), aber die Bewertung ging eventuell kürzer, aber die Bewertung wurde immer negativer. Die negativen Urteile vornehmlich zwar nicht die Folge der Reaktorunfälle, weil die Berichterstattung über Kernenergie vor der Reaktorunfälle schon negativ dargestellt wurde, in Wirklichkeit ist die Bewertung nach dem GAU in Tschernobyl immer noch negativ, sie hat sogar den tiefsten Punkt erreicht. Ein anderes Beispiel für die negative Bewertung der Kernenergie verbindet sich mit der Komplexität der journalistischer Berichterstattung. Konkret gesagt, die Wortschatz, Bilder, die Symbol der Berichterstattung sind sehr negativ, sie wirken sogar eine pschychologische negative Wirkung wie Angst, Unruhe aus. (Siehe Anhang 1)

Der Reaktorunfall von Tschernobyl und die Medien

In diesem Teil werden der Reaktorunfall und die entsprechende Berichterstattungen darüber vorgestellt und analysiert. Eine Chronologie des GAU in Tschernobyl wird in Anhang 2 beigefügt. Die Berichterstattung in den Massenmedien wird anhand unterschiedlichen Medien analysiert, nämlich die Berichterstattung in der Tagesschau, der Aussage des Korrespondenten Johannes Grotzky vom Bayerischer Rundfunk. Und die Berichterstattung der Zeitschrift "der Spiegel". Für die Berichterstattung über Tschernobyl zwanzig Jahre nach dem Unfall wurden viele Online-Artikel ausgewählt. Zum Vergleich wurden elf Artikel aus dem "Spiegel" und die Erinnerungen von Grotzky und der damaligen Ingenieurin Lebedewa aus dem Atomkraftwerk in Tschernobyl ausgewählt. Am 26. April 1986 ist in der Ukraine der bisher größter Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie passiert, den man erlebt hat. Die Ursache soll mit der Verstößen des Bedienungspersonals eng verbunden sein. (Vgl. Kober; Schmaltz; Beyerle 1992: 97-98) Die Regierung hat entsprechende Maßnahme getroffen, um die Anwohner in Sicherheit zu bringen, da Radioaktivität sehr gesundheitsschädlich und sogar lebensgefährlich ist. Erst am 28. April hat die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS gemeldet, dass ein Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl passiert ist. Im folgenden Teil wird die Berichterstattungen über den GAU ausgewählt und analysiert.

Der Reaktorunfall von Tschernobyl und die damalige Berichterstattungen

In Deutschland wurden die Leuten in den meisten Fällen durch Nachrichtsendungen in Fernsehen und Rundfunk informiert. (Siehe Anhang 3) In der Dissertation von Junghanns wurde die Berichterstattung in der Tagesschau analysiert. Ihr Untersuchungszeitraum war die Zeit von 28. April bis 15. Mai 1986. Am 28.04 stand erst eine Meldung über den Unfall in der Sowjetunion auf dem Platz 10, die nur 38 Sekunden dauerte. Schließlich kann man sagen, dass man über dieses Geschehen kaum Informationen bekommen hat. (Nach der Erinnerung des Tagesschau-Sprechers Jan Hofer wurde die Meldung kurz nach 20 Uhr reingenommen und niemand konnte darüber etwas erzählen, sogar über den die Position und die Aussprache des Unfallorts.) Siehe den Anhang 4 und [1] 15.09.2006) Man wurde nur informiert, dass ein Unfall passiert ist, aber die wichtigen W-Fragen in der Berichterstattungen blieben nicht erklärbar. Am zweiten Tag wurde intensiv über den Unfall informiert. (Vier von 14 Meldungen waren über den GAU.) Man fand in der Tagesschau wieder eine Meldung auf dem ersten Platz, die aber nur 38 Sekunden dauerte: "GAU im Kernkraftwerk Tschernobyl". Am zweiten Platz war eine Meldung über die Sowjetische Tagesschau: "Die amtliche Nachrichtenagentur TASS berichtet am 28. April schließlich kurz, dass sich in Tschernobyl ‚ein Unglück ereignet‘ habe." (Siehe Anhang 5 und [2] 15.09.2006)Darauf folgte eine Meldung über den Reaktor-Unfall Tschernobyl, die 1,32 Minuten dauerte. Da kam noch eine Meldung über die Radioaktive Wolke. Das heißt, erst zwei Tage danach konnte man erfahren, was "wirklich" passiert war. Aber genaue Informationen kamen relativ spät, z. B. Bilder, die Informationen über Radioaktivität und negative Folge für Nachbarländer. Was passiert war, ob das Feuer schon gelöscht wurde, welche Folge es für die Anwohnern und für die Nachbarländern gab usw. Am 30.04 war die Situation deutlicher geworden. An diesem Tag kamen in der Tagesschau das erste Foto und Informationen über die neue Lage. Sieben von 15 Meldungen beschäftigten sich mit dem Thema "Tschernobyl". Darin findet man das Interview mit dem sowjetischen Botschafter, Kommentar zum Reaktorunfall aus der USA usw. (Siehe Anhang 6) Die Reaktorkatastrophe wurde zwar intensiv berichtet, aber nach oben erwähnte Qualitätskriterien ist diese Sendungen trotzdem nicht mehr relevant und glaubwürdig zumindest wegen der Zeitlichkeit. Dadurch wird klar, dass es fast drei Tagen lange kaum genaue Informationen in der Massenmedien (vor allem im Fernsehen) gefunden wurden. Außerdem wenn die Informationen rechtzeitig gefunden würden, blieb die Glaubwürdigkeit der Informationen auch eine offene Frage. Die Quellenprobleme der Umweltberichterstattungen tauchten nicht nur in deutschen Medien auf, sondern es war in russischen Medien auch nicht anders. Man fand überall keinen Zugang zu relevanten Informationen zu diesem Thema. Die Ursache dafür ist umstritten. Ideologie, Kalte Krieg, die Medientechnik, oder wegen mancher Bedingungen (wegen der Brände) die unklare Situation. Warum wurden die Informationen so spät veröffentlicht? Hat die Regierung absichtlich so lange geschwiegen? Einerseits liegt es daran, dass die sowjetische Regierung die Nachrichten gesperrt hat. ([3] 15.09.2006) Die Informationen, die sie weiter gegeben hat, waren nicht glaubwürdig und sogar "eine Informationslüge" (Kafka, Peter; König, Jürgen; Limmer, Wolfgang 1986: 7) Andererseits heißt es auch, dass die Regierungen selbst nicht genug Informationen bekommen habe. Um Probleme der Berichterstattungen über Tschernobyl zu untersuchen, wurden Artikels in dem "Spiegel" aus dem Jahrgang 1986 ausgewählt. Vier Heften wurden untersucht, die während des Reaktorunfalls veröffentlicht wurden, nämlich die Nummer 18- 21 am 28.April, am 05. Mai, am 12. Mai und 19.Mai (Nr. 21). In der Titelgeschichte im Spiegel Nr.21 geht es um die Nutzung der Kernenergie anstatt um eine Berichterstattung über Tschernobyl selbst ("Ausstieg aus der Kern-Energie?"), solche Texte wurden nicht intensiv untersucht. Im Heft 19 findet man insgesamt zwei lange Artikel über den Reaktorunfall. Einer erschien unter dem Rubrik "Deutschland": "Widrige Winde aus Ost-Südost". (17-20 Halbseite), die anderer Artikelname stand schon auf dem Titel, der wieder als ein gutes Beispiel für die negative Bewertung der Kernenergie genannt wurde: "Der Super GAU in der Sowjetunion." Unten stand "Mörderisches Atom" in fetter Schrift. Dieser Titelartikel war 9 Seiten lang. In Heft 20 findet man ausführliche Berichte über den Reaktorunfall. Vier Artikel standen unter der Rubrik "Titelgeschichte": "Die Koalition bleibt auf Kernenergie-Kurs", "Die Republik im Atom-Schock", "Strahlenwirkungen auf den Menschen", und "Spiegel-Umfrage über Tschernobyl und die Deutschen". Unter der Rubrik "Spiegel Essay" stand der Artikel: "Tschernobyl in Deutschland?. In den Kategorie "Ausland" und "Ostblock" tauchten zwei Artikel auf : " (Vgl. Der Spiegel 1986: Nr. 19, 17-20; 124-139) "Ein Frühlingswind weht über das Land" Sowjet-Union. Der andere lautet: "Unschuld verloren". Dazu findet man noch ein "Spiegel-Gespräche" mit dem Titel "Wir waren innerlich nicht vorbereitet." Der Nebentitel lautet: Walentin Falin, Vorstandsvorsitzender der sowjetischen Nachrichtenagentur "Nowosti", über den Reaktorunfalln. Das Interview in dem Spiegel-Gespräch am 12.05.1986 (Heft 20) war eine Unterstützung für dieses Argument. Die Gründe des Schweigens der Regierung und der späterer Informationen sind vielseitig, aber die Fakten selbst sind die wichtige Elementen. Nach Falins Gespräch haben die Techniker der Station die Situation unterschätzt, außerdem sei wegen der Brände die Situation für sowjetische Regierung auch unklar, inklusive der Zahl der Opfer. Bei der Berichterstattung über den Unfall in Harrisburg in den USA 1979 hatte es auch zehn Tage gedauert, bis die Bevölkerung und die Nachbarländer richtig informiert wurden. (Vgl. Der Spiegel 1986: Nr. 20, 17- 37; 134-145) In Wirklichkeit worden die Berichterstattungen über einen Reaktorunfall von jedem Land kontrolliert, oft auch verhindert, solange die Situationen nicht deutlich sind. In diesem Sinn wurde die Ideologie als Ursache der Probleme der Berichterstattungen über Kernenergie in einigem Maß ausgeschlossen. Das Selektionsproblem in der Berichterstattung ist nicht so auffällig. Im Gegenteil sind Kontextproblem, Darstellungsprobleme, Organisationsproblem und Kompetenzprobleme sehr auffällig. Im nächsten Abschnitt werden die vier Probleme ausführlich behandelt. Das lässt sich auch einfach erklären: falls die Journalisten keinen Zugang zur der Informationen finden können, haben die Journalisten als Folge das Problem, wie man die Berichte darstellen sollte. Weil die Kernenergie zu einem sehr speziellen Gebiet der Wissenschaft gehört, fehlt den Journalisten außerdem das Fachwissen. Als es der GAU in Tschernobyl passiert ist, könnten die Atomexperten die Situation noch nicht richtig schätzen, dann kommt es auch dazu, dass die alle Probleme in der Umweltberichterstattungen sicherlich auftauchten, vor allem die Glaubwürdigkeit wurde heftig diskutiert.

Die Rolle der Experten in der Berichterstattung am Beispiel "Tschernobyl"

In diesem Abschnitt wurde das Probleme "Fachwissen" am Beispiel "Tschernobyl" in den Mittelpunkt gestellt. Dieser Teil basiert auf den Forschungsergebnissen von Haller. Artikel über den Reaktorunfall in vier Zeitungen ("Frankfurt allgemeine Zeitung", "Frankfurt Rundschau", "Süddeutsche Zeitung", "Neue Zürcher Zeitung") wurden gesammelt und durchgesucht. Der Untersuchungszeitraum ist vom 01. Mai und bis die folgenden 14 Ausgaben. Insgesamt 171 redaktionelle und 36 fremdverfasste Texteinheiten wurden von Physikern untersucht, die sich seit Jahren mit Fragen der Nuklearphysik befassen. (Vgl. Haller 1987:306-307) Dieses Ergebnis zeigt: "Es ließen sich statistisch 1,2 inhaltliche Fehler pro Texteinheit nur schon bei der Darstellung und Deutung vornehmlich physikalisch-technischer Aspekte des Unglücks und seiner Folgen feststellen." (Haller 1987: 308) Die Ursachen liegen darin, dass der Journalisten genug Fachwissen fehlt. Aus der Perspektiv der Redaktion ist das Organisationsproblem auch auffällig. Wie oben schon genannt wurden, wenn die Journalisten nur widersprüchliche oder sogar gar keinen Zugang zur Informationen finden können, kommen der Mangel an der fachlichen Inkompetenz und das Problem in der Redaktion dazu, führt zu einer negative Folg: Es gibt große Unterschiede zwischen die Medienwirklichkeit und der Realität. Mit anderen Worten: die Wahrnehmung der Rezipient ist problematisch. Es ist sehr interessant zu sehen, was eine Umfrage über die Berichterstattung über den Super-GAU gezeigt hat. In dieser Abbildung wird es sehr anschaulich gezeigt: Datei:Beispiel.jpg

Die Bevölkerungen kannte zwar das Forschungsergebnis nicht, ihr fehlte auch das Fachwissen über Kernenergie, aber 41% der Fernsehzuschauer fanden die Fernsehberichterstattungen fehlerhaft. 23% davon hatten über die Korrektheit der Fernsehberichterstattung über Tschernobyl eine Antwort „weiß nicht“ gegeben. Das hat bewiesen, dass die mehr als die Hälfte die Korrektheit unsicher, zweifelhaft oder sogar fehlerhaft finden. (Hennen, Leo; Peters, Hans Peter 1990: 30) Damit kann man nicht mit der Aufgabe der Massenmedien rechnen, dass die Medien die Realität abbilden und gleichsam widerspiegeln. Dadurch merkt man auch die Probleme der Krisenberichterstattung.

Der Reaktorunfall von Tschernobyl 20 Jahr danach

Nach der Tschernobyl-Katastrophe sind jetzt zwanzig Jahre vergangen. Wie sehen heute Berichte darüber aus, sind sie sehr anders als vor zwanzig Jahren? Was ist damals wirklich passiert? In diesem Teil wurden anhand der Erinnerungen des Korrespondenten und der Ingenieurin die Nachrichtensperre der Sowjet-Regierung und das Fehlen der Informationen vorgestellt.

  • Die Erinnerung des damaligen Korrespondenten

Wenn man heute die Berichterstattung des Bayerischen Rundfunk hören, können wir in einigermaßen die "Wahrheit" erfahren. Die damalige Situation war: die sowjetische Regierungen kannte den genauen Reaktorunfall und die Schäden auch nicht so gut. Der damalige Sowjetchef Gorbatschow wurde erst zwei Tagen danach informiert. (Der Spiegel 1986: Nr. 20, 134 und [4] 15.09.2006) Daraus kann man schließen: Die Probleme der Berichterstattung liegen meistens in den Fakten, statt in der Ideologie. Die Regierenden versuchen die Berichterstattung zu vertuschen oder zu Verharmlosung zu machen, das bleibt aber nicht ausgeschlossen. Über die Regierungsschuld findet man auch Hinweise in folgenden Abschnitt von Lebedewa, die damals als Ingenieurin in dem Kernkraftwerk gearbeitet hat.

  • Die Erinnerung von der damaligen Ingenieurin Lebedewa

Nach dem Vergleich zwischen Radiobeiträgen kommt es hier auch eine Online-Artikel. Die Atomphysikerin Larissa Lebedewa, die vor der Katastrophe sieben Jahre lang als Ingenieurin im Lenin- Kraftwerk gearbeitet hatte, und nach dem Unfall zwei Monate lang als Liquidatorin an den Aufräumarbeiten beteiligt war, hat sich daran erinnert: man wusste nicht, was wirklich passiert war, da man fest an der Sicherheit des Atomkraftwerks glaubte. Den Leuten wurden nicht rechtzeitig mitgeteilt, dass etwas Ernstes im Reaktor passiert war. Nach dem Unfall hatte man durch die Handlungen der Behörden und durch ungewöhnliche Phänomene auf der Strasse bemerkt, dass eine Katastrophe passiert war. Zum Beispiel verteilte die Behörden Jodtabletten und die Straßen wurden mit Wasser abgespült, Helikopter kreisten über der Stadt kreisten und rastend durch die Straßen die Rettungswagen. Nach dem Aufruf mussten die Bewohner die Stadt verlassen. Die Leuten musste sogar bis zu drei Stunden in der Sonne auf ihren Abtransport im Bus warten. Das führt zu schrecklicher Folgen: wenn das Wetter heiß und trocken war, stieg die Gefahr, dass die Leuten über den radioaktiven Staub große Mengen an Strahlung abbekommen haben konnten. Heutzutage hört man oft über die Krankfälle, die zu den schrecklichen Folgen zählen sollten. Lebedewa gehört zu dieser Gruppe. Bei den Kindern ist die Situation noch ernsthafter. Direkt nach dem Unfall wurden die Kinder evakuiert und auf Gen-Mutationen getestet: zwanzig Prozent davon zeigten damals bereits Schäden. Zwanzig Jahre danach ist die Gefahr immer noch da, das heißt, dass Sterben wird weitergehen. (Vgl. [5] 15.09.2006) Dadurch wurde bewiesen, dass die damalige Regierung eher für die Schäden der Anwohner und die folgenden Maßname (Z.B die Unterschätzung) verantwortlich war. Aber in der Quellenproblem der Berichterstattungen sollte sie weniger verantwortlich sein, weil es noch unklar war, was da passiert ist.

  • Folgevergleich der Berichterstattung

Wenn man die Berichterstattung vor zwanzig Jahren und von heute liest, merkt man die Unterschiede zwischen der beiden Versionen. Der Spiegelartikel im am 24. April 2006 Nr. 17 war nicht mehr mit dem Reaktorkatastrophe beschäftig, sondern er geht um die Leuten, die nach dem Unfall das Land verlassen haben. (Der Titel lautet: Auswanderer: So weit wie möglich nach Westen.) Der andere Online-Artikel beschäftigt sich mehr mit der Ursache, Geschichte des Reaktorunfalls. Die Probleme, die in der Krisenberichterstattungen auftauchen, können mit der Folgenvergleich der Berichterstattungen über den GAU in Tschernobyl abschließen. Die Wahrheit des Unfallprozess ist nach der Zeit deutlich geworden. Aber die Wahrheit über die gesundheitliche Folge und die Schade für die biologische Welt: Luft, Boden, Wasser oder für das ökologiesche System bleibt immer noch fraglich. Als Beispiel nennen wir die Opferzahl, die oft mit dem Wort „Sensationalismus“ verbunden sind: Die Opferzahl wird immer heftig umstritten. Die erwartete Todeszahlen schwanken zwischen 4.000 und 100.000, laut UN bislang rund 50 Menschen an den Tschernobyl-Folgen gestorben.“ (Vgl. [6] 15.09.2006) Im Interview mit Falin im Spiegel lautet seine Vermutung von 1000 Leuten, die an den Super GAU sterben sollten. (Vgl. Der Spiegel 1986: Nr. 20, 140) Nach dem Vergleich der Berichterstattungen in der Massenmedien lässt es abschließen, mit anderen Worte, nach dem Analyse der bisherigen „klare dargestellte Wahrheit“: Außer solcher konkreten Opferzahlen ist die Tschernobyl-Folgen wesentlich weniger ernst, als man vor zwanzig Jahren vermutet haben.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, folgende die Probleme der Krisenberichterstattung treten auf: Die Selektions- und Qualitätskriterien des Risikojournalismus spielen bei der Themenauswahl und dem Berichtumfeld eine große Rolle. Die Probleme, die in der journalistischen Berichterstattung im Umweltbereich auftauchen, treten auch in der Krisenberichtserstattung auf. Aber die Umsetzungsproblem und Einordnungsprobleme sind in der Kriseberichterstattung nicht auffällig. Das Quellenproblem ist das größte Problem. Mit dem Beispiel der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl lässt sich deutlich zeigen, dass das Quelleproblem in der Krisenberichterstattung besonders groß ist. Außer diesem Grund kommt die Situation auch vor, dass es wegen der komplizierten Situation gar keinen Zugang gibt. Die politische Situation spielt zwar eine Rolle bei der Berichterstattung, aber sie spielt nicht eine entscheidende Rolle in dem Quellenproblem der Berichterstattung über den Reaktorunfall, sowie in der Krisenberichterstattung. Die Darstellungsprobleme sind wieder auffällig in der Krisenberichterstattung, fall es um die politische Situation, Ideologie geht, da die Regierung die Probleme oft verharmlosen wollte. Die andren auffällige Problem sind Kontextprobleme, Selektionsprobleme, Komplexitätsprobleme. Daran merkt man, wenn die Krisenberichterstattung die hohe entwickelte Technologie angeht, z. B Kernenergie, sind die Kompetenzprobleme bei den Journalisten und Darstellungsprobleme im allgemeinen sehr groß. Bei anderer Krisenberichterstattung, die von der Fachwissen der Journalisten nicht speziell viel verlangen, ist das Problem nicht so auffällig. Die Probleme der Krisenberichterstattung verbinden sich auch mit den unterschiedlichen Darstellungsformen der Massenmedien. Nach den Untersuchungen sind die Probleme der Krisenberichterstattung mit der politischen Situation und der Ideologie eng verbunden. Außerdem spielt in der Krisenberichterstattung der Sensationalismus eine wichtige Rolle. Man kann zwar nicht einfach von der Tschernobyl-Katastrophe auf andere Krisenberichterstattungen schließen, aber die Tschernobyl-Folgen wurden jedenfalls vergrößert. Bei vielen Berichterstattung ist auffällig, wenn die Situation nicht klar ist, werden die Meldungen oft "sensationalistisch" berichtet. Weiter ist es interessant zu untersuchen, ob die Probleme der Berichterstattung über Kernenergie und andere Krisen oder Risiken sehr unterschiedlich sind.


Literatur

Aufsätze

Bechmann, Gotthard: Risiko als Schüsselkategorie der Gesellschafstheorie. In: Bechmann, Gotthard (Hrsg.): Risiko und Gesellschaft. Grundlagen und Ergebnisse interdisziplinärer Risikoforschung. Opladen 1993, S. 237- 276.

Haller, Michael: Wie wissenschaftlich ist Wissenschaftsjournalismus? Zum Problem wissenschaftsbezogener Arbeitsmethoden im tagesaktuellen Journalismus. In: Publizistik 1987, H.2, S. 305-319.

Hömberg, Walter: Ökologie: ein schwieriges Medienthema. In: Bonfadelli, Heinz; Meier, Werner (Hrsg.): Krieg, AIDS, Katastrophen... Gegenwartsprobleme als Herausforderung der Publizistikwissenschaft. Konstanz 1993. S. 81- 94.

Kepplinger, Hans Mathias: Die Kernenergie in der Presse. Eine Analyse zum Einfluss subjektiver Faktoren auf die Konstruktion von Realität. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1988, S. 658-683.

Lukesch, Helmut; Kischkel, Karl-Heinz; Nöldner, Wolfgang: Zur Beurteilung von Informationsquellen und Medien im Zusammenhang mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl. In: Publizistik 1987, H. 2, S. 154-158.

Meier, Werner A: Berichterstattung über Umwelt-Risiken. In: Bonfadelli, Heinz; Meier, Werner (Hrsg.): Krieg, AIDS, Katastrophen... Gegenwartsprobleme als Herausforderung der Publizistikwissenschaft. Konstanz 1993. S. 213-238.

Monographien und Sammelbände

Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt am Main 1986.

Faktum Lexikon Institut (Hrsg.): Universal Lexikon. Gütrsloh / München. 2000.

Görke, Alexander: Risikojournalismus und Risikogesellschaft. Sondierung und Theorieentwurf. Wiesbaden 1999. Hennen, Leo; Peters, Hans Peter: „Tschernobyl“ in der öffentlichen Meinung der Bundesrepublik Deutschland – Risikowahrnehmung, politische Einstellung und Informationsbewertung. Jülich 1990.

Junghanns, Karina: Die Berichterstattung von ARD und SAT 1 über das Reaktorunglück von Tschernobyl. Ein Medienvergleich. Heidelberg 1989.

Kafka, Peter; König, Jürgen; Limmer, Wolfgang: Tschernobyl. Die Informationslüge. Anleitung zum Volkszorn. München 1986.

Kober; Schmaltz; Beyerle (Übersetzung); Von Kalckreuth: Tschernobyl: Die Wahrheit. Berlin und Heidelberg 1992.

Zeitschriften

  • Der Spiegel: Nr. 19. Nr. 20 und Nr. 21. Hamburg 1986.
  • Der Spiegel: Nr. 17. Hamburg 2006.


Internetquellen


Anhang

Anhang 1

Datei:Beispiel.jpg


Quelle: Der Spiegel 1986: Nr. 19 und Nr. 20.


Anhang 2

Im Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ereignete sich am 26. April 1986 der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie. Das katastrophale Ausmaß wurden erst allmählich bekannt:

25. April 1986: In Block vier des Atomkraftwerks werden am Freitagabend für einen Testzyklus die Sicherungssysteme außer Betrieb gesetzt.

26. April, 01.23 Uhr: Während des Versuchs steigt die Leistung des Reaktors innerhalb von Sekunden an, eine Notabschaltung von Hand misslingt. Eine nukleare Kettenreaktion baut sich auf. Es entsteht Wasserstoff, der explodiert und den Reaktor zerstört. Der Grafitmantel der Brennelemente gerät in Brand.

27. April: Die Behörden befehlen die Evakuierung der in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks gelegenen Kleinstadt Pripjat - als reine Vorsichtsmaßnahme und lediglich für drei Tage, heißt es zunächst. Schritt für Schritt werden bis zum 4. Mai alle Anwohner im Umkreis von 30 Kilometern in Sicherheit gebracht. Um die Brände am Reaktor unter Kontrolle zu bekommen, werfen Helfer aus Hubschraubern und Flugzeugen tagelang Chemikalien, Blei, Sand und Lehm auf den zerstörten Reaktor ab. Unterdessen breitet sich der Fallout mit dem Wind aus. In Nordfinnland wird stark erhöhte Strahlung gemessen. Sie soll "höchstwahrscheinlich aus einem Kernkraftwerk" in der Sowjetunion entwichen sein.

28. April: Ungewöhnlich hohe Radioaktivität löst bei Messstationen in Schweden und Dänemark Alarm aus. Der Verdacht richtet sich wieder gegen die Sowjetunion. Die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur TASS meldet einen Unfall im Atomkraftwerk Tschernobyl.

29. April: Die UdSSR spricht erstmals von einer "Katastrophe" und zwei Todesopfern.

30. April: Moskau dementiert Berichte über Tausende Tote. Luft und Wasser in der Umgebung von Kiew seien in Ordnung. Die Bundesregierung erklärt, die bisherigen Messungen hätten keinen nennenswerten Anstieg der Radioaktivität ergeben. Im Lauf des Tages wird allerdings auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhöhte Radioaktivität in der Luft gemessen. In der DDR werden die Menschen über eine TASS-Meldung informiert, dass es zum "Entweichen einer gewissen Menge radioaktiver Stoffe" gekommen sei

1. Mai: In Süddeutschland trifft eine weitere Wolke mit strahlenden Partikeln ein. Durch heftige Regenfälle lagert sich der radioaktive Fallout ab, vor allem das kurzlebige Jod-131 (Halbwertszeit acht Tage) und das langlebige Cäsium-137 (Halbwertszeit 30 Jahre).

2. Mai: Bund und Länder ergreifen erste Sofortmaßnahmen. Die Einschätzungen der Behörden reichen von "unbedenklich" bis "Katastrophengrenze".

4. Mai: In der Bundesrepublik geht die Strahlung in der Luft geht zurück, steigt aber im Boden.

8. Mai: Die Bonner Strahlenschutzkommission gibt "Teilentwarnung" für Cäsiumwerte und betont, dass Spinat und Salat nicht auf Sondermülldeponien gebracht werden müssen.

13. Mai: Die Sowjetunion gibt bekannt, dass die glühende Reaktormasse in die Erdkruste durchzubrennen drohte, aber noch rechtzeitig gekühlt werden konnte. Das Bundesgesundheitsministerium und die Länder streiten sich immer noch um Grenzwerte für Lebensmittel. Bauern, Einzelhandel und Lebensmittelindustrie fordern Entschädigungen.

16. Mai: Zu Pfingsten geben die Behörden weitgehend Entwarnung für Spinat, Salat, Schnittlauch und Milch. Die sowjetische Presse feiert die Feuerwehrleute der ersten Stunden nach dem Reaktorunfall als Helden.

20. Mai: Teile der Reaktorruine strahlen noch immer so stark, dass eine Annäherung unmöglich ist. Der Bau wird untertunnelt und mit Stickstoff gekühlt.

15. Juni: Ein Teil der Tschernobyl-Betriebsleitung wird wegen Versagens entlassen, der neue Direktor kündigt die Wiederinbetriebnahme der zwei unbeschädigten Blöcke an.

19. Juli: Das Moskauer Politbüro zieht Bilanz: Unglücksursache sei grobe Fahrlässigkeit des Bedienungspersonals gewesen. 28 Menschen seien gestorben, von den 208 Verletzten noch 30 im Krankenhaus.

29. September: Der mit "wichtigen Änderungen" umgerüstete Block eins des Kraftwerks Tschernobyl wird wieder eingeschaltet.

15. November: Der Beton-"Sarkophag" um den Unglücksreaktor ist fertig.

Quelle: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5449558_REF1_NAV_BAB,00.html (15.09.2006.)


Anhang 3

Datei:Beispiel.jpg


Quelle: Lukesch / Kirschkel / Nöldner 1987: 156.


Anhang 4

Datei:Beispiel.jpg


Quelle: Junghanns 1989: Anlagen S. 30.


Anhang 5

Datei:Beispiel.jpg


Quelle: Junghanns 1989: Anlagen S. 31.


Anhang 6

Datei:Beispiel.jpg


Quelle: Junghanns 1989: Anlagen S. 32.

Persönliche Werkzeuge