Atlas TI

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Atlas TI
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"Wissenswerkbank" für die qualitative Analyse größerer Mengen an Text-, Grafik-, Audio und Videodaten
Basisdaten
Entwickler: Thomas Muhr
Version: ATLAS.ti 5.0  
Beschreibung: {{{Stammbaum}}}
Architekturen: {{{Architekturen}}}
Lizenz: ATLAS.ti GmbH
Sonstiges:
Website: www.atlasti.com/de


Contents

Zur Einführung

Atlas TI ist eine Software, mit der sowohl Text-, Grafik-, Audio- als auch Videodateien qualitativ analysiert werden können. Das Programm dient dazu, „weiche Daten“ auszuwerten, die sich den formalen statistischen Analysen entziehen. Atlas TI ist also ein Werkzeug zum Arbeiten, dass vor allem den Umgang mit einer größeren Menge an Daten erleichtert.


Anwendungsgebiete

Für den Zweck der qualitativen Analyse bietet Atlas TI verschiedene Tools, mit denen sich größere Datenmengen organisieren, strukturieren und vergleichen lassen und wichtige Informationen extrahiert werden können. Außerdem bietet Atlas TI die Möglichkeit, einzelne Begriffe, Sätze oder ganze Textpassagen zu kodieren und diese dann zum Beispiel als Zitate auszuwählen. Neben den Kodierungen können Kommentare und Memos verfasst werden. Zusätzlich lassen sich Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Komponenten durch Netzwerke visualisieren, indem man zum Beispiel mehrere Codes miteinander verlinkt.


Wie funktioniert Atlas TI?

Um Atlas TI zu benutzen, muss man die verschiedenen Dateien, die analysiert werden sollen, als Primärdokumente auswählen. Hier hat der Benutzer die Möglichkeit, eine beliebige Anzahl an Dokumenten zu nutzen. Das besondere an Atlas TI ist, dass die Art der möglichen Dokumente nicht nur auf Textdateien beschränkt ist. Auch Audiodateien, Grafiken oder Videos lassen sich mit Atlas TI bearbeiten.


Zum Benutzerinterface

Atlas TI basiert auf der so genannten „Grounded Theory“, was sich auf Deutsch mit „gegenstandsverankerte Theorienbildung“ übersetzen lässt. Der Begriff der „Theory“ ist leicht irreführend, da es sich bei der „Grounded Theory“ nicht um eine Theorie an sich handelt, sondern vielmehr um den Prozess der Theoriebildung. „Grounded Theory“ ist ein sozialwissenschaftlicher Ansatz zur systematischen Auswertung von in erster Linie qualitativen Daten. Solche Daten können etwa aus Interviews oder Beobachtungsprotokollen gewonnen werden. Der Begriff „Grounded“ bezieht sich dabei auf die enge Verknüpfung der Theoriebildung mit der Empirie (empirische Daten). Ziel der „Grounded Theory“ ist die Theorienbildung, wobei die Theorie der Praxis so nahe wie möglich kommen soll, um dann auch in der Praxis anwendbar zu sein. Dabei stellt die „Grounded Theory“ nicht nur eine einzelne Methode dar, sondern vielmehr eine Reihe von ineinander greifenden Verfahren. Eine zentrale Rolle spielen hierbei das Kategorisieren und Kodieren.

Die „Grounded Theory“ ist ein noch relativ junger Ansatz, der sich in den 1960er Jahren in den USA entwickelt hat.

Atlas TI wurde auf Basis dieser „Grounded Theory“ Anfang der 90er von Forschern der TU Berlin entwickelt. Ursprünglich von Psychologen entwickelt, unter Mitarbeit von Informatikern und Linguisten, kann das Programm heute vielfältig in allen Bereichen angewendet werden, in denen qualitative Daten entstehen.


Die Funktionen im Einzelnen

Die so genannte Hermeneutische Einheit bildet das Herzstück von Atlas TI. Der HU-Editor bildet das Hauptfenster und ist normalerweise Ausgangpunkt für jedes Projekt. Alle Elemente, die zu einem Projekt gehören, werden im HU- Editor angezeigt: Primärdokumente, Zitate, Memos, Kommentare, Netzwerke, etc. Wenn man die HU aufruft, werden automatisch alle zu einem Projekt gehörenden Elemente angezeigt, es müssen nicht alle Komponenten einzeln aufgerufen werden. In der HU werden nicht nur alle Dateien angezeigt, sondern auch bearbeitet.


zentrale Funktion 1: "Document Assign"

Hier werden die Primärdokumente, also die Dateien, die analysiert und bearbeitet werden sollen, ausgewählt. Dabei können sowohl Text- als auch Audio-, Grafik- und Videodateien ausgewählt werden und zwar in einer beliebigen Anzahl. Achtung: Für Textdateien gilt: Word-Dokumente können nicht bearbeitet werden, stattdessen können RTF-Formate verwendet werden. In die RTF-Dateien können neben Powerpoint-Präsentationen auch Excel-Tabellen sowie aktive Web-Links integriert sein. Die ausgewählten Dateien werden in einer Leiste im Hauptfenster angezeigt. Durch einen Doppelklick auf ein Dokument wird dieses geöffnet und angezeigt.


zentrale Funktion 2: Kodieren

Um einzelne Begriffe, Sätze oder ganze Textpassagen zu kodieren, hat der Benutzer drei Möglichkeiten. Entweder er markiert die gewünschten Elemente und klickt dann auf eines der vier Kodier- Symbole in der senkrechten Symbolleiste links am HU-Editor oder er nutzt die Kodiermöglichkeiten in der Menüleiste. Bei der schnelleren Variante muss der Benutzer lediglich die gewünschten Textteile markieren und diese mit der linken Maustaste in die Kodierleiste (Codes) rüberziehen (drag and drop). Alle vorgenommenen Kodierungen werden in der Kodierleiste angezeigt. Die verschiedenen Kodierungen lassen sich zusätzlich zu wählbaren Kategorien zuordnen.


zentrale Funktion 3: Zitieren

Das Zitieren funktioniert auf die gleiche Weise wie das Kodieren.


zentrale Funktion 4: Memos/ Kommentare schreiben

Memos und Kommentare lassen sich schreiben, indem man entweder das entsprechende Symbol in der senkrechten Symbolleiste links am HU-Editor klickt oder die Funktion über die Menüleiste auswählt.


zentrale Funktion 5: Netzwerk- Bildung

Um ein Netzwerk bilden zu können, müssen zunächst die zu verbindenden Elemente kodiert werden, bzw. Zitate, Memos und Kommentare angefertigt worden sein. Zum Erstellen des Netzwerkes muss dann auf das Netzwerk- Zeichen geklickt werden (alternativ kann man die Funktion auch über die Menüleiste auswählen). Dadurch öffnet sich der „Network View Manager“. Hier kann dann ein neues Netzwerk erstellt werden und unter einem beliebigen Namen gespeichert werden. Nach Erteilen des Namens entsteht ein Symbol für das Netzwerk. Ein Klick darauf öffnet eine neue Seite, auf der dann die einzelnen Elemente zu einem Netzwerk gestaltet werden können. Um die Elemente hier einzufügen genügt es, auf die Kodier- bzw. Zitateleiste zu klicken, die gewünschten Teile zu markieren und diese einfach per drag and drop auf die Netzwerk- Seite zu ziehen. Anschließend klickt man in der Menüleiste der Netzwerk-Seite auf „Links“, dann auf „Links nodes“. Ein Pfeil/ Strich entsteht, mit dem man 2 Elemente visuell verbinden kann. Nach einem Klick mit der rechten Maustaste auf das zweite Element kann man dann die gewünschte Art der Verbindung zwischen den beiden Elementen auswählen (z.B. sind abhängig voneinander, schließen sich gegenseitig aus, etc.). In der Symbolleiste der Netzwerk- Seite gibt es noch zusätzliche Möglichkeiten, das Netzwerk zu bearbeiten, etwa das Layout zu verändern oder einzelne Codes/ Memos/ Zitate/ Kommentare oder Links wieder zu entfernen.

Zusatzfunktionen

Neben den zentralen Funktionen bietet Atlas TI noch weitere Möglichkeiten, mit den Quellen umzugehen. Diese befinden sich in der waagerechten bzw. senkrechten Symbolleiste im HU- Editor. In der senkrechten Symbolleiste gibt es unter anderem die Möglichkeit, sich die Gesamtanzahl der Zeilen in einem Textdokument anzeigen zu lassen und zu einer bestimmten Zeile im Text zu springen. Außerdem kann man nach bestimmten Wörtern und Begriffen im Text suchen. Zusätzlich kann man eine Leiste öffnen, die rechts neben den Primärdokumenten alle schon gemachten Zitate, Codes, Memos, etc. direkt an den dazugehörigen Stellen anzeigt. In der waagerechten Symbolleiste befinden sich unter anderem folgende Zusatzfunktionen: Objekt Explorer: Zeigt hierarchische Struktur in der hermeneutischen Einheit an. Objekt Crawler: Damit kann man Elemente in allen Teilen eines Projektes suchen. Die Suche ist nicht nur auf das Primärdokument beschränkt. Word Cruncher: Zählt die Wörter in einem Primärdokument.


Anwendungsbeispiele

Die Anwendung von Atlas TI ist erst dann tatsächlich sinnvoll, wenn eine größere Menge an Daten, Texten und Informationen bearbeitet werden soll und diese qualitativ analysiert werden sollen. Für eine Arbeit, die hauptsächlich auf Literatur und Textquellen basiert, kann der Einsatz von Atlas TI und den Möglichkeiten zum Kodieren durchaus nützlich sein, z.B., um verschiedene Aspekte zu einem Thema, etwa die Definition eines Begriffes durch verschiedene Autoren, herauszufiltern. In einem solchen Fall kann Atlas TI als quasi elektronischen Ersatz für den klassischen Einsatz von Karteikarten betrachtet werden.


Sonstiges

Atlas TI ist keine Freeware, sondern muss käuflich erworben werden. Je nach Art der Lizenz unterscheiden sich die Preise für das Programm. Für Studenten sind die Lizenzen mit rund 150€ noch relativ günstig. Für Nicht- Studenten steigen die Preise bis rund 800€ an. Auf der Homepage von Atlas TI kann man sich allerdings eine kostenlose Testversion herunterladen. Zu der Demoversion gibt es zusätzlich ein 400 Seiten starkes Handbuch mit Erklärungen zur Nutzung des Programms. Positiv an der Testversion ist, dass sie ohne zeitliche Begrenzung nutzbar ist. Allerdings können nur Projekte bis zu einer bestimmten Größe gespeichert werden (maximal 10 Primärdokumente, 50 Codes, 30 Memos und 10 Netzwerk-Visualisierungen). Es ist aber möglich, auch in der Demoversion mit einer unbegrenzten Anzahl an Primärdokumenten zu arbeiten, nur können die dann nicht gespeichert werden. Wenn man größere Projekte speichern möchte, muss man die Software erwerben.

Die Homepage von Atlas TI findet man unter folgender URL: http://www.atlasti.com/de/

Zusammenfassung

Atlas TI präsentiert sich als durchaus nützliches Programm, wenn es um das Bearbeiten von vielen qualitativen Daten geht. Dazu bietet es verschiedene Möglichkeiten und Werkzeuge, das Material zu organisieren und zu strukturieren. Vor allem im Bereich der (qualitativen) Forschung bzw. den Arbeit mit Text- und Literaturquellen kommt das Programm zum Tragen. Um die Möglichkeiten des Programms voll auszuschöpfen, lohnt es sich gerade für Studenten, sich Atlas TI schon frühzeitig zu beschaffen, besonders auch im Hinblick auf die Kosten für die Software.

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